"Moderates Wachstum" setzt sich fort

17. Februar 2005, 12:03
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Nach einer "Konjunktur­delle" sollte sich laut der neuesten Umfrage der Industriellen­vereinigung wieder Wachstum einstellen - Krise am Arbeitsmarkt aber "kritisch"

Wien - Die heimische Industrie schätzt die aktuelle Geschäftslage etwas schlechter ein als noch vor drei Monaten, zum ersten Mal seit einem Jahr beurteilen die Betriebe die Zukunftsaussichten aber wieder optimistischer als im jeweiligen Vorquartal (Zeithorizont: 6 Monate). Die am Donnerstag veröffentlichte neue Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) zeigt das Bild eines fortgesetzten "moderaten Wachstums".

Wachstumsziele "gut abgesichert"

Wegen des erwarteten stärkeren Preisdrucks und schlechterer Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sei das Bild "aber nicht ungetrübt", sagte IV-Generalsekretär Markus Beyrer. Von der seitens der IV gewünschten Flexibilisierung der Arbeitszeit sei ein Plus von "einigen zehntausend Jobs" zu erwarten.

Die von der IV angepeilten Wachstumsziele für das heurige Jahr müssten aber auf jeden Fall zu erreichen sein. "Die 2,25 Prozent Wachstum sind haltbar und nach unten gut abgesichert", sagte der IV-General. Der jüngste Stand des Konjunkturbarometers - ein Mischindex aus gegenwärtiger Lage und Zukunftsaussichten - legte leicht von 27 auf 29 Punkte zu.

Kritische Verschlechterung der Beschäftigungslage

Der neue Chefökonom der IV, Christian Helmenstein, sprach von einer guten Mengenkonjunktur und "Rekordauftragsbeständen". Ein "Wermutstropfen" seien dagegen die erwarteten sinkenden Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten. Die Verschlechterung der Beschäftigungslage in den nächsten drei Monaten sei allerdings "kein Wermutstropfen mehr, das ist schon kritisch". Die Einschätzung der Beschäftigungsentwicklung hat sich per Jahreswechsel 2004/05 weiter verschlechtert. Hatte der Saldo der Erwartungen im Herbst des vergangenen Jahres noch den Wert minus 8 ausgewiesen, liegt er nach den nun veröffentlichten Werten bei minus 12. Ein Wert von Null würde ein Konstantbleiben der Beschäftigungserwartungen bedeuten.

Helmenstein interpretierte die Werte als Rückkehr zum langfristigen, produktivitätsbedingten Beschäftigungsabbau in der Industrie. In den vergangenen Jahren hat die Industrie pro Jahr rund 1,1 Prozent ihrer Beschäftigten verloren.

Flexibilisierung gefordert

Als Gegenmittel zur Eintrübung der Jobaussichten propagiert die Industriellenvereinigung die Flexibilisierung der Arbeitszeiten. "Die starke Nachfrage ist da, es geht darum, durch die Flexibilisierung die Umsetzung der Nachfrage in mehr Jobs zu ermöglichen", sagte Beyrer. Die Industriellenvereinigung propagiert seit Mitte vergangenen Jahres längere Höchstarbeitszeiten und Durchrechnungszeiträume, um die Kosten der Überstunden zu senken. Derzeit arbeitet die IV an einer Studie über die Frage, welchen Arbeitsplatzeffekt eine Senkung des Überstundenanteils an den gesamten Lohnkosten hätte. Die Studie soll Ende Februar vorgestellt werden.

Nach Branchen zeigt die jüngste Konjunkturumfrage weiter starke Zuwächse im Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung - jenen Branchen, die von der anhaltenden Rohstoffhausse profitieren können. Regional fielen die Stimmungs-Indizes für Oberösterreich besonders günstig, für Tirol eher schlecht aus. Generell sei nach der EU-Erweiterung ein Sondereffekt zu bemerken, sagte Helmenstein: Bundesländer, die an die neuen EU-Nachbarn angrenzten, wiesen deutlich überdurchschnittliche Werte aus. An der jüngsten Konjunkturumfrage der IV nahmen 363 Unternehmen mit insgesamt 220.000 Beschäftigten teil. (APA)

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    Weiter starke Zuwächse zeigt die jüngste Konjunkturumfrage im Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung.

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