Kritische Bücher über Bernard-Henri Levy

6. Februar 2005, 11:00
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Flut an Lebensgeschichten und Essays über den französischen Philosophen und Schriftsteller erschienen

Paris - In Frankreich häufen sich die Biografien und kritischen Bücher über den bekannten Philosophen und Schriftsteller Bernard-Henri Levy so sehr, dass der 56-Jährige in den Augen der Verleger drauf und dran ist, zu einem eigenen literarischen Genre zu werden. Allein in den letzten sechs Monaten sind sechs Lebensgeschichten und vier Essays über den Ehemann der Schauspielerin und Sängerin Arielle Dombasle auf den Markt gekommen. Sein Kürzel BHL ist zu einer heiß diskutierten Marke geworden

"Levy ist der bekannteste französische Intellektuelle, sein Ruf übersteigt die Landesgrenzen, und er besetzt seit drei Jahrzehnten alle Vorposten", erklärte Denis Jeambar, Chefredakteur des Wochenmagazins "L'Express", das Phänomen anlässlich der Buchveröffentlichung "BHL: une biographie" (Edition Fayard) von Philippe Cohen. "Es gibt keinen vergleichbaren Vorläufer, und das Phänomen ist umso überraschender, als es sich um ein Thema mit schwachem kommerziellem Potenzial handelt", meinte der Verleger Laurent Beccaria, dessen Verlag "Les Arenes" demnächst ein Buch über BHL von Nicolas Beau und Olivier Toscer publizieren wird.

Kritische Überraschung

Der Universitätsprofessor Francois Dosse, Autor des Essays "Le pari biographique" (Edition La Decouverte) erklärte sich überrascht über die große Anzahl "kritischer Biografien" von BHL. "Normalerweise beginnt ein Biograf, wenn er mehrere Jahre mit dem Thema verbringt, die ausgewählte Persönlichkeit zu lieben. Die Lebensgeschichten, welche die Idole zerstören, sind eher selten", so Dosse. Bernard-Henri Levy dagegen erntete fast ausschließlich kritische Bücher.

Zunächst erschien im Oktober des Vorjahres "Le B.A.BA de BHL" (La Decouverte) von Jade Lindgaard und Xavier de La Porte, das sich in 12.000 Exemplaren verkaufte. Im Jänner folgte das Buch von Cohen, das über BHL die "moralische Linke" angriff. "Sein unbeherrschbarer Wunsch, sich über alles und jeden zu äußern, ließ seinen Gesichtspunkt unkohärent werden", schrieb Cohen über den Philosophen, dem er einen "großen Einfluss" auf die französische Linke beimisst. Das Buch verkaufte sich in 30.000 Exemplaren.

Teilnahme an Wiener Demo

BHL ist in Frankreich als der Intellektuelle bekannt, der in den Medien und bei Debatten immer seine Meinung äußert und bei Demonstrationen immer in der ersten Reihe mit dabei ist. So protestierte er im Jahr 2000 etwa in Wien gegen die freiheitliche Regierungsbeteiligung und meinte damals vor 300.000 Demonstranten: "Herr Haider hat verloren und Herr Schüssel hat verloren". Er forderte den Krieg gegen die radikal-islamischen Taliban und wurde von der französischen Regierung im Februar 2002 als offizieller Beauftragter nach Afghanistan geschickt.

Im Jahr 2003 schrieb Bernard-Henri Levy ein "pädagogisches Buch" über "die Herkunft und die Werte des Zionismus", im selben Jahr nahm er gegen die baskischen Separatisten der ETA Stellung und kam an der Seite seines "Meisters" und Vorbilds Jean-Paul Sartre in das Wachsfigurenkabinett "Musee Grevin" in Paris. Bereits 1994 hatte sich BHL gegen die "kulturelle Isolation" von Bosnien-Herzegowina ausgesprochen und eine dann wieder zurück gezogenen "Sarajewo-Liste" bei der Europawahl geplant. 1989 hatte BHL eine internationale Kampagne für die Freilassung des späteren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel angeführt. Er hatte auch für den im Iran zum Tode verurteilten britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdie Partei ergriffen. 1997 drehte er mit Alain Delon in der Hauptrolle den Spielfilm "Le Jour et la Nuit" (Tag und Nacht), der allerdings zu einem kommerziellen Reinfall wurde.

"Kult-Förderung"

Diesen Monat folgen eine weitere Biografie mit dem Titel "Une vie" (Edition La Table Ronde) von Philippe Boggio und ein Essay mit dem Titel "De l'absence de pensee chez Bernard-Henri Levy" ("Von der Abwesenheit der Gedankenwelt bei Bernard-Henri Levy"). Francois Dosse erklärte sich allerdings überzeugt, dass die wiederholten Angriffe auf BHL diesem nur nützen können. "Wenn man BHL in einen Märtyrer verwandelt, wenn er zu einer Person wird, die von allen Seiten Schläge kassiert, dann kann das seinem Kult nur dienen", meinte Dosse. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bernard-Henri Levy (Archivbild vom Dezember 2003)

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