Serbischer General stellt sich freiwillig

4. Februar 2005, 15:29
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UNO-Tribunal wirft dem ehemaligen Kommandanten des Pristina-Korps Vladimir Lazarevic Kriegsverbrechen im Kosovo vor

Belgrad/Wien - Der serbisch-montenegrinische General Vladimir Lazarevic (55) hat sich heute Donnerstag freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechertribunal gestellt. Gegen Mittag reiste der ehemalige Kommandant des Pristina-Korps in Begleitung des serbischen Justizministers Zoran Stojkovic sowie des Ministers für Lokalverwaltung, Zoran Loncar, nach Den Haag ab.

Der pensionierte General ist bereits der 17. Haager Angeklagte aus Serbien-Montenegro, der sich freiwillig dem UNO-Tribunal stellte. Insgesamt wurden bisher 30 Personen aus Serbien-Montenegro dem Haager Gericht überstellt, berichtete die Belgrader Nachrichtenagentur Beta.

Sicherheitsgarantie

Die serbische Regierung lobte die Entscheidung von Lazarevic, sich freiwillig zu stellen, als "patriotische Geste". Die Regierung wird für Lazarevic eine Sicherheitsgarantie abgeben, die seine Freilassung bis zum Prozessbeginn ermöglichen soll. Auch die Familie des Generals soll finanziell abgesichert werden. Der Angeklagte hat sich vor der Abreise nicht an die Öffentlichkeit gewandt. Laut Medienberichten wurde Lazarevic auf dem Belgrader Flughafen mit einem Geländewagen direkt bis zum Flugzeug gebracht.

Lazarevic ist einer von vier serbischen Generälen, denen das Haager Gericht Kriegsverbrechen während des Kosovo-Krieges (1998/99) vorwirft. Die Belgrader Behörden sind weiterhin bemüht, die Generäle Nebojsa Pavkovic und Sreten Lukic zu überreden, sich freiwillig dem Tribunal zu stellen. Der vierte Angeklagte, Vlastimir Djordjevic, soll seit Frühjahr 2001 in Moskau untergetaucht sein.

Kommandant des Pristina-Korps

Lazarevic war im Frühjahr 1999 während des Krieges für die gesamten serbischen Streitkräfte im Kosovo zuständig. Unter seinem Kommando standen laut Anklage des UNO-Tribunals, die im Oktober 2003 gegen ihn sowie Pavkovic, Lukic und Djordjevic erhoben wurde, nicht nur das Militär, sondern auch die Polizei, die Territorialverteidigung sowie sonstige Milizen. Lazarevic war im Dezember 1998 als Kommandant des Pristina-Korps ernannt worden, das er bis Juli 1999 inne hatte.

Dem General, der im August 2003 aus dem aktiven Militärdienst entlassen wurde, wird die Teilnahme am "gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben" gegen albanische Zivilisten angelastet. Weitere "Teilnehmer des Vorhabens" waren nach dieser Anklage neben dem ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic auch der jugoslawische Ex-Vizepremier Nikola Sainovic, der frühere jugoslawische Generalstabchef Dragoljub Ojdanic und dessen Amtsnachfolger Nebojsa Pavkovic sowie der serbische Ex-Präsident Milan Milutinovic. Gegen Milosevic läuft seit Februar 2002 der Prozess vor dem Haager Tribunal. Sainovic, Ojdanic und Milutinovic befinden sich seit drei bzw. zwei Jahren im Tribunalsgefängnis, wo sie auf den Prozessbeginn warten. (APA)

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    General Vladimir Lazarevic.

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