Buch: "Dies ist mein Leib"

3. Februar 2005, 12:17
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Grazer Bibelwissenschafter legt Neuinterpretation der Eucharistie vor

Graz - Mittelpunkt der christlichen Religion ist die Eucharistie, die im katholischen Bereich vor allem als Heilige Messe und seit der Reformation als Abendmahl bekannt ist. Bemerkenswerte neue Perspektiven dazu legt der Grazer Bibelwissenschafter Peter Trummer an der Theologischen Fakultät der Universität Graz in seiner Publikation "Dies ist mein Leib" vor.

Für sein Buch hat Trummer die frühchristlichen Texte und vor allem Bilder römischer Katakomben erneut studiert. Anhand dieser Belege zeigt er, dass die frühchristliche Eucharistiefeier nicht nur das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Aposteln zum Vorbild hatte. Sie sei auch und vor allem an jene Erzählungen angelehnt, die von den wunderbaren Speisungen - bekannt als "Brotvermehrungen" - berichten: "Die frühchristlichen Darstellungen zeigen vor allem Brote und Fische, in den Bechern befindet sich nicht unbedingt Wein, sondern 'Mischungen' bis hin zu reinem Wasser oder Milch. Diese Form der Eucharistie bezieht sich also eindeutig auf die wunderbare Speisung und nicht das Abendmahl", erläutert Trummer im Gespräch.

Frage nach anderen Lösungen

Das führt den Bibelwissenschafter zu der Überzeugung, "dass die Eucharistie auch ohne die so genannten Wandlungsworte gefeiert wurde". Hier könnte sich eine Lösung für eine in der katholischen Kirche drängendes Problem - Trummer spricht von "zunehmender Überforderung der Priester, die immer mehr Gottesdienste feiern müssen" - ergeben: "Die Frage ist, ob die Kirche bei dem aktuellen Priestermangel nicht auch andere Lösungen für die Eucharistiefeier finden könnte und müsste", so Trummer. Es stehe die Frage im Raum, ob die Pfarren im Bezug auf die frühchristliche Mahlfeier nicht selbst liturgisch mehr aktiv werden können als bisher, wobei eine kirchliche "Vorsorge" auch für neue Feierformen durchaus nötig sei.

Nach dem Erscheinen seines Buches fühle er von Seiten der Kirche "Wohlwollen im Gespräch, aber auch Angst". Er nehme die durch seine Thesen entstehende "Verunsicherung im bisherigen Rollendenken und kirchlichen Selbstverständnis in Kauf", weil er darin auch eine neue Chance für eine Rückbesinnung der Religion auf ihre Glaubensquellen sowie für Reformen sieht: "Ich sehe diese Erkenntnisse als mögliche Lösungsmodelle für priesterlose Gemeinden und ökumenische Mahlfeiern", so Trummer. (APA)

Peter Trummer: "Das ist mein Leib - Neue Perspektiven zu Eucharistie und Abendmahl", Patmos Verlag 2005, 200 Seiten, 18 Euro, ISBN: 3-491-70383-2
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