Beratungszentrum für Prostituierte zieht Bilanz

3. Februar 2005, 13:19
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"SILA", Anlaufstelle für SexarbeiterInnen im 15. Bezirk, läuft aus - Ab Juli neues Projekt

Wien - SILA, das Beratungszentrum für Prostituierte in Wien-Fünfhaus, zieht einen Schlussstrich unter seine Arbeit. Seit Februar 2003 bot die Einrichtung als Kooperationsprojekt verschiedener Partnerorganisationen, unter anderem der Volkshilfe-Wien, dem Verein Lefö und der Arbeiterkammer, soziale, medizinische und juristische Unterstützung für Sex-Arbeiterinnen. Am Donnerstag präsentierte SILA die Bilanz seiner Arbeit im Rahmen einer Pressekonferenz.

80 Prozent Migrantinnen

515 Prostituierte nahmen im Jahr 2004 Einzelberatungen in Anspruch, bei denen vor allem Themen wie Gesundheit, Abtreibung, Aufarbeitung von Gewaltsituationen, Wohnungssuche oder Ausstieg angesprochen wurden. Es fanden weiters 385 Begleitungen oder Betreuungen im Ausmaß von je drei Stunden und 185 Gruppenberatungen statt, bilanzierte Eva van Rhaden, Gesamtkoordinatorin von SILA. Zum Angebot zählten außerdem Computer- und Deutschkurse. Der Schwerpunkt lag vor allem auf Sexarbeiterinnen aus Nicht-EU-Staaten, da von den geschätzten 4.000 bis 6.000 Frauen, die in Wien arbeiten, bis zu 80 Prozent Migrantinnen seien.

Pionierin

SILA war die erste niederschwellige Beratungseinrichtung für Prostituierte, die im Rahmen eines durch die EU geförderten EQUAL-Projektes finanziert wurde. Nach zweieinhalb Jahren schließt sie am 28. Februar ihre Pforten - und wird nach Angaben der Kooperationspartner eine große Lücke hinterlassen. "Bislang gab es zu wenig Beratung für Frauen in Notsituationen, die als Prostituierte arbeiten. Wie groß der sozialpolitische und vor allem menschliche Handlungsbedarf ist, zeigt die große Nachfrage nach Information, Unterstützung und Beistand", meinte Walter Kiss, Geschäftsführer der Volkshilfe Wien.

Schwerpunkt Umschulungen

Ab Juli dieses Jahres wird es ein zweites befristetes EQAL-Projekt der Vokshilfe Wien geben, bei dem allerdings der Schwerpunkt eher auf dem beruflichen Umstieg von Sexarbeiterinnen liegt und weniger auf der umfassenden sozialen, legalen und gesundheitlichen Beratung, kritisierte Maria Cristina Biodi von Lefö. Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely (S) betonte allerdings, dass jede Prostituierte Beratung und Beistand erhalte und niemand weggeschickt werde. "Für die Betroffenen ändert sich eigentlich wenig, selbst der Standort bleibt der gleiche", meinte Wehsely. In der Übergangszeit zwischen Februar und Juli wird die niederschwellige Beratungsstelle aus dem Budget der Frauenstadträtin finanziert, so dass eine kontinuierliche Betreuung der Sexarbeiterinnen gewährleistet werden kann. Insgesamt will sich Wehsely auch weiterhin für die Anerkennung der Prostitution als Gewerbe einsetzen. "Es kann nicht sein, dass das älteste Gewerbe der Welt kein Gewerbe ist." (APA)

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