Ein eigenwilliger Charakter

12. März 2005, 22:23
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Das junge österreichische Gestaltertrio bkm spielt mit seinen Entwürfen in erster Linie mit der Wahrnehmung des Betrachters

Gute Ideen allein reichen nicht aus, um in der internationalen Designszene Fuß zu fassen. Wie also aus einer Anfängergeschichte eine Erfolgsgeschichte machen? Die jungen Absolventen der Wiener Universität für angewandte Kunst, Katharina Bruckner, Herbert Klamminger und Stefan Moritsch haben sich ihre eigene Strategie erdacht, und die scheint aufzugehen.

Bruckner, Klamminger und Moritsch, kurz bkm, haben 2004 eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, bei der die Einzelperson erkennbar bleiben soll. In den vergangenen drei Jahren verließen sie nacheinander mit einem Diplom in der Tasche ihre Hochschule. Nun nehmen sie gezielt an den renommierten, internationalen Designwettbewerben Teil und belegen wegen der konzeptionellen Qualität und gestalterischen Stringenz ihrer Entwürfe regelmäßig die vordersten Plätze.

Jüngste Beispiele

Bei der Caiazza Memorial Challenge der Sesselmesse "Promosedia" in Udine erhielten bkm den ersten und dritten Preis. Beim nicht minder angesehenen Wettbewerb der Commerzbank Köln, der sich mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes befasst, holten sie den ersten Preis.

In Udine präsentierten die drei leichte Abwandlungen bewährter, handwerklich ausgearbeiteter Sitzmöbel. "Falb" heißt der preisgekrönte Sessel. Der Stuhl wirkt konventionell, würde nicht seine Form aus der gewohnten Symmetrie ausbrechen. Und das ist keineswegs reine Spielerei. Zwar kann man - wie bereits der italienische Künstler und Designer Bruno Munari vor Jahrzehnten vorführte - auf den banalsten Sitzobjekten die komplexesten Sitzübungen vollführen - doch richtig alltagstauglich sind moderne Stühle oft nicht. Schon gar nicht in Zeiten moderner Nomaden, die allerhand unverzichtbares Kleingepäck mit sich herumtragen.

"Falb", so sagen seine Erfinder, "bietet einen Bereich für persönliche Gegenstände" - ein abgestelltes Glas oder eine Handtasche finden bequem direkt neben dem Sitzenden Platz. Mit seiner hochgezogenen "Schulter" nimmt das gute Stück Jacken oder Taschen auf. "Um schwere Lasten zu tragen, macht er einen Ausfallschritt", heißt es in der Beschreibung, außerdem "zeigt er seinen eigenwilligen Charakter".

Letzteres gilt auch für "One Squared", in Udine ebenfalls ausgezeichnet. Die Fläche eines herkömmlichen Stuhls ist geteilt, dafür hat er mehr Beine als gewohnt. Bequem kann man sich beim Sitzen auf die Lehne stützen. Aber ob der Platz für zwei reichen würde? Die Arbeitsgemeinschaft bkm strebt keine übergreifende Designsprache an, keinen erkennbaren Stil. Dennoch spielen Bruckner, Klamminger und Moritsch bei fast allen ihren Entwürfen mit der Wahrnehmung des Betrachters und Nutzers, doch überwinden sie dabei mehr und mehr das studentische Experiment zugunsten einer Perspektive der Machbarkeit, ohne dass der Charme ihrer Ideen darunter leiden würde.

Das gilt auch für den "Buchhalter"

Das ist eine Buchstütze fürs Regal, die zugleich einem aufgeschlagenen Buch Halt bietet, oder die Vision des öffentlichen "Zwischenraums", einer Art farbigem Segel, das zu halbtransparenten Rückzugsorten im öffentlichen Raum konfiguriert werden könnte. Noch wurde keines der Projekte von bkm in Serie realisiert, noch "leben wir nicht vom Design", sagt Moritsch. Erste Verhandlungen mit potenziellen Herstellern scheiterten letztlich an den Produktionskosten. Vor Kurzem stellten sie bei "inspired by cologne" aus, einer vom deutschen Rat für Formgebung organisierten Sonderschau der Kölner Möbelmesse. Von bkm wird noch zu hören sein, künftig nicht nur bei Preisen und Auszeichnungen, sondern auch bei herausragenden Produkten mit eigenwilligem Charakter.
(Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/04/02/2005)

Zur bkm-Homepage
www.bkm-format.com
  • Sessel "Falb"
    foto: hersteller

    Sessel "Falb"

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