24 Karat Luxus

24. Mai 2005, 16:29
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Thalassa : Bergamottepolster, Butlerservice und blühende Bougainvilleen im milden Winter machen Zypern zu einer speziellen Wellnessdestination

Bettina Fernsebner-Kokert ließ sich verwöhnen


Zypern kann einen ganz schön verderben. Nach zwei Tagen im Thalassa weiß man, es gibt nur eine schlichte Antwort auf alle Wünsche, und die lautet: "Yes, Madam!" Sabina heißt die Fee, die als persönliche Butlerin jeden Wunsch erfüllt, jeder Laune nachkommt. Klingt paradiesisch, ist es auch - bloß: Als gelernte Österreicherin hat man das Personal-Herumscheuchen nicht eben im genetischen Programm. Zunächst. Denn am zweiten Tag merkt man bereits, wie die innere Diva langsam ihr schreckliches Haupt hebt.

Sabina hat daheim in Polen Wirtschaft studiert, sie spricht drei Sprachen und gehört zu dem 58-köpfigen internationalen Butlerteam des Thalassa, das die Hotelgäste während der Zeit ihres Aufenthaltes beinahe rund um die Uhr betreut und dabei noch die hohe Kunst der Zurückhaltung beherrscht. Frühstück aufs Zimmer? Sabina nimmt das in die Hände. Zum Einschlafen einen Extrakopfpolster mit Bergamottearoma? Sabina bringt ihn. Den Termin für die Aromamassage im Hotel-Spa beinahe verschwitzt? Sabina erinnert sanft daran, dass der Masseur bereits wartet.

Das Hotel nahe Páphos an der Westküste Zyperns gehört mit seinen 58 Zimmern zu den Small Luxury Hotels of the World, und Manager Michael Metaxas und sein Team verfolgen ein betörendes Konzept: "The answer is yes, what is the question?" Noch Fragen?

Sabina hat das Gepäck aufs Zimmer gebracht, das den Namen Persephones trägt. Jener Göttin, in die sich Hades einst so unsterblich verknallt hat, dass er sie in die Unterwelt entführte. Der darauf folgende Zwist im Hause Zeus wurde mit einem Kompromiss beigelegt: Persephone verbrachte eine Hälfte des Jahres bei Hades, die andere in der Oberwelt. Wäre sie im Thalassa abgestiegen, hätte sich Hades in seinem Totenreich brausen gehen können. Keine zehn schwarzen Unterwelt-pferde hätten sie wieder hingebracht. Aber immerhin hätte Hades getrost auf einen Besuch vorbeikommen können.

Rosa für die Dame, Blau für den Herrn

Die Zweizimmerresidenz hat nicht nur einen getrennten Schlaf- und Wohnbereich und zwei getrennte Eingänge. Es gibt auch je ein eigenes Bad für Sie und für Ihn. Dass dort Rollenklischees wie Rosa für die Dame und Blau für den Herren (inklusive Quietschentchen!) auf eine altmodisch-sympathische Art gepflegt werden, ist bei dem Luxus, der einen umgibt, eine lässliche Sünde. Allein die Tatsache, dass die Minibar vis-à-vis des Damenbades ausschließlich mit edlen Mineralwässern aus aller Welt bestückt ist, die im Männertrakt drüben hingegen die ernst zu nehmenden Getränke beherbergt, sei an dieser Stelle stirnrunzelnd angemerkt. Später, nach dem Dinner im hoteleigenen Restaurant Ambrosia (das Essen ist wahrlich göttlich!), steht mit Rosenblättern "Welcome" aufs Bett geschrieben.
Wer im Winter nach Zypern kommt, erkennt bald, dass sich die Insel einige ihrer Reize ausschließlich für diese Jahreszeit aufspart. Die Temperaturen sind mild, die Sonne scheint noch warm genug, um im Freien zu frühstücken. Am Straßenrand blühen vereinzelt die Bougainvilleen. An den Johannisbrotbäumen hängen die süßen, braunen Schoten, deren Samen früher zum Goldwiegen verwendet wurden, weil sie stets das exakt gleiche Gewicht haben. Die Araber nannten sie Kerouad, der heutige Begriff Karat leiteten sich davon ab. Im Troodos-Gebirge fällt schon der erste Schnee, vier Schlepplifte warten dort auf die Skifahrer.

Das angenehme Klima hat viele Engländer dazu gebracht, ihre kalte Insel im Norden gegen die milden Winter auf Zypern zu tauschen und Häuser zu kaufen. Quasi Mallorca auf Britisch, aber ohne Ballermann. Obwohl gerade im Winter die zypriotischen Ballermänner unterwegs sind. Die Rebhuhnjagdsaison hat begonnen, und ständig kracht es irgendwo. Dabei sind die Jäger doppelt vorsichtig geworden, seit vor ein paar Jahren ein kleines Mädchen bei einer morgendlichen Wunschsendung im Radio angerufen hat. Die Moderatorin hat die Kleine gefragt, warum sie denn so früh auf sei. Weil sie gehört habe, wie der Papa zeitig in der Früh auf die Jagd gegangen sei. Wo denn die Mama sei, hat die freundliche Dame im Radio gefragt. "Die ist mit dem Onkel im Schlafzimmer", war die Antwort. Auf ganz Zypern waren damals angeblich die quietschenden Reifen zu hören, wie die wilden Jägersmänner, die das im Autoradio gehört hatten, ihre Wagen herumrissen, um daheim nach dem Rechten zu sehen. Aphrodite, dieses aparte Luder, wusste schon ganz genau, wo sie an Land ging.

Die Zyprioten setzen immer mehr auf Winter-Wellnesstourismus. Die großen Hotels wie das Columbia Beach in Pissuori oder das Anassa verfügen über Spa-Bereiche, die alle Stückeln spielen. Wie auch das Anagenisis-Spa im Thalassa. Anagenisis heißt auf Deutsch Wiedergeburt, und Mark, der englische Masseur, versteht sein wohltuendes Handwerk. Seine Rückenmassage mit Aromaölen liegt auf der Mhhhhm!-Skala ganz weit oben. Dazu hätte es des Entspannungsgedudels von der Endlos-CD gar nicht bedurft. Dass Mark darüber hinaus aussieht wie der hübschere Bruder von Robbie Williams, erhöht den Wellness- effekt noch zusätzlich.

Im Anagenisis hat man uralte zypriotische Heilbehandlungen wiederbelebt. Und da können Körperpackungen neben Olivenöl, Joghurt und Kräutern schon auch einmal Zivania enthalten, den zypriotischen Tresterbrand. Zivania war früher einmal so billig, dass er zum Fensterputzen verwendet wurde. Mit dem Beitritt zur EU im Mai wurde der Schnaps jedoch so teuer, dass er jetzt nur noch für innere Anwendungen benutzt wird. Das dafür reichlich. Nach ein paar Tagen mit dem herrlichen zypriotischen Essen braucht man schon zu Mittag die erste Dosis.

Ein wunderbar milder Zivania

Einer, der einen wunderbar milden Zivania brennt ist Christos. Der 35-Jährige lebt in Lania, einem kleinen Ort, so malerisch, als hätte ein Tourismusmanager das idealtypische zypriotische Dorf ersonnen. Neben dem allgegenwärtigen Schnaps erzeugt Christos eine zweite Spezialität der Insel: Soutzouko. Wie in einer Kerzenzieherei hängen honiggelbe Stangen auf Fäden zum Trocknen in der Sonne. Mandeln werden mit eingedicktem Taubenmost überzogen und danach in Stücke geschnitten. Schmeckt nicht zu süß und passt hervorragend zum zypriotischen Kaffee, begleitet von einem Stamperl Zivania. Christos schildert lachend, wie ein Cousin auf Verwandtenbesuch in den USA einmal auf dem John-F.-Kennedy-Flughafen Terroralarm ausgelöst hatte, weil die Sicherheitsleute die süßen Stangen für Dynamit hielten - bis der Cousin ein Stück davon abbiss. Auch von dem eindeutig zweideutigen zypriotischen Volkslied erzählt er, in dem eine alte Frau eine jungen Mann bittet, sie, bevor sie stirbt, noch einmal von seinem Soutzouko kosten zu lassen. Zypern kann einen restlos verderben. Und das ist gut so. (Der Standard/rondo/04/02/2005)

Info:

Die AUA fliegt im Winter jeden Di, Do und So nach Larnaka, Cyprus Airways Di und Sa. Ab April fliegt die AUA täglich außer Montag, Cyprus Di, Fr, Mo. Charterflüge ab Wien nach Paphos jeden Dienstag, ab Salzburg und Graz jeden Freitag.
www.thalassa.com.cy
www.columbia-hotel.com.cy
Zypern Tourismus, Parkring 20, 1010 Wien
Tel.: 01 / 513 18 70-0
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    Ein Meeresblick in Thalassa

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    Der Aphrodite-Felsen

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