Taxifirmen in Kopenhagen: Fahrgäste dürfen auf "weißen"Chauffeur beharren

5. Februar 2005, 19:51
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Einige Kunden sagen relativ direkt, dass sie keinen Einwanderer wollen. Bei anderen hat sich der Zusatz "ein Hund soll mit" etabliert

Kopenhagen - Bei einigen Taxifirmen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen hat sich ein "weißer" Taxiservice etabliert. Kunden, die etwas gegen ausländische Taxilenker haben, können bei der Bestellung in der Zentrale darum bitten, einen dänischen Fahrer zu bekommen.

Codes

Dies geschieht auf unterschiedlichen Wegen. Einige Kunden sagen relativ direkt, dass sie keinen Einwanderer wollen. Bei anderen hat sich der schüchterne Zusatz "ein Hund soll mit" etabliert. Ein Code, der sich in Kopenhagen eingebürgert hat, weil vor allem ausländische Taxifahrer Hunde als unrein ansehen und den Mittransport von Haustieren eher ablehnen als ihre dänischen Kollegen.

Taxi-Test

Eine lokale Zeitung hatte vor einiger Zeit mehrere Taxiunternehmen getestet und war zum Ergebnis gekommen, dass fünf von neun Kopenhagener Taxifirmen diesen "Service" anbieten; was heftige Kritik im Land hervorrief.

"Getan hat sich dennoch nichts", sagt Berit Persson von der Kopenhagener Polizei dem STANDARD. Der Kopenhagener Taxiverband diskutierte den fragwürdigen Kundendienst, aber der Vorsitzende der staatlichen Taxibehörde, Erik Eefsen, verzichtete darauf, die betreffenden Taxiunternehmer abzumahnen.

Sein Begründung: "Wenn du in den Supermarkt einkaufen gehst und da eine Kassiererin mit einem Kopftuch sitzt und eine ohne, bist es auch du selbst, der auswählt. Das ist das Gleiche mit den Taxiunternehmen, die Kunden bestellen,und die Unternehmen liefern einfach die Ware."

Vager Boykottaufruf

Auch der liberale Integrationsminister Bertel Harder wollte keine Anzeige erstatten und rief stattdessen die Bevölkerung halbherzig zum freiwilligen Boykott auf. Die rechtsliberale dänische Regierungskoalition wird seit ihrer Wahl im November 2001 durch die ausländerfeindliche dänische Volkspartei toleriert.

Die meisten Taxilenker in Kopenhagen kennen diese Situation. "Alle wissen über den weißen Service Bescheid, und als Ausländer merke ich, dass ein Teil der Kundschaft lieber in Taxis mit dänischen Fahrern steigt", sagt Ali Hassouoni, der seit 22 Jahren in Kopenhagen Taxi fährt. In der Firma, in der er angestellt ist, gebe es allerdings keine Diskriminierung, und er hoffe darauf, dass sich die Branche in diesem Punkt selbst saniere.

Ein dänischer Fahrer, der seinen Namen nicht nennen möchte, gibt zu, dass er schon oft Fuhren hatte, für die Kunden einen Hund ankündigten, der dann bei der Fahrt gar nicht dabei war. "Das ist komisch, und in Zukunft werden ich Nein sagen. Natürlich soll der Kunde bestimmen können, aber ich habe viele Freunde unter den ausländischen Fahrern, und das ist ungerecht ihnen gegenüber", sagt der Däne. Oft bevorzugten Kunden auch an Taxiständen Dänen, selbst wenn ein ausländischer Fahrer ganz vorne in der Warteschlange stehe.

Polizei untersucht auf eigene Faust

Da die Regierung nichts zu unternehmen schien, untersuchte die Justizabteilung der Kopenhagener Polizei den Fall auf eigene Faust und fragte sich, ob die Taxifirmen - genauso wie Kopenhagener Nachtlokale, die keine Einwanderer einlassen - gegen das Diskriminierungsgesetz verstoßen.

Die Untersuchung wurde abgebrochen; erfolglos. "Unsere Rechtsabteilung ist zum Ergebnis gekommen, dass die Taxifirmen nicht gegen geltende Gesetze verstoßen", sagt Kriminalinspektor Olle Wagner dem STANDARD. (André Anwar aus Kopenhagen, DER STANDARD Printausgabe 3.2.2005)

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