Weitgehende Auswirkungen auf Armutsbekämpfung in Afrika befürchtet

8. Februar 2005, 23:18
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Schätzungen: Bis 2080 weitere 80 bis 120 Millionen Menschen in Folge des Klimawandels durch Hungersnöte gefährdet - 70 bis 80 Prozent davon in Afrika

Exeter - Ein Experte der nigerianischen Universität Jos warnt in einer Studie vor den Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Verbreitung von Krankheiten, die Ernährungs- und Einkommenssituation. Die Studie ist bei der derzeit stattfindenden Climate Change Conference in Exeter vorgestellt worden. Besonders in Ländern wie Nigeria gibt es Auswirkungen auf soziale und ökonomische Entwicklungsmöglichkeiten sowie auf den Gesundheitssektor, berichtet die Umweltorganisation WWF, die die Studie in Auftrag gegeben hat.

Lebensgrundlagen zerstört

"In Entwicklungsländern müssen erfolgreiche Naturschutzarbeit und Armutsbekämpfung immer Hand in Hand gehen. Die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels auf Mensch und Natur werden noch viel weiter gehen als bisher angenommen", so Studienautor Anthony Nyong Nyong. Auch andere Experten warnen davor, dass eine Erwärmung von bis zu zwei Grad Celsius dramatische Auswirkungen auf die reichhaltigen aber fragilen Ökosysteme haben wird. "Durch den Verlust der natürlichen Ressourcen werden aber auch die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen bedroht", warnt auch WWF-Österreich-Klimaexperte Markus Niedermair.

Nach der Studie werden Wetterextreme und Naturkatastrophen wie Fluten, Hitzeperioden und Dürre weiter zunehmen. Diese Faktoren stehen auch in direktem Zusammenhang mit der Verbreitung von Krankheiten. Für Südafrika wird etwa eine Verdoppelung der Malariagebiete prognostiziert. Gleichzeitig wird das Aussterben von Pflanzenarten erwartet, die in der traditionellen Medizin Verwendung finden. Nach Angaben der WHO ist diese traditionelle Medizin für 80 Prozent der Menschen die wichtigste Heilquelle.

Afrika am stärksten betroffen

Nach den ersten Schätzungen werden bis zum Jahr 2080 werden weitere 80 bis 120 Millionen Menschen in Folge des Klimawandels durch Hungersnöte gefährdet sein, 70 bis 80 Prozent davon in Afrika. In erster Linie wird die Armut die Chance auf Schulbildung bei Frauen und Mädchen nehmen, da sie für die Versorgung der Familien zuständig sind. Hungersnöte werden zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft und daraus resultierend zu noch mehr Kahlschlägen führen. Die Wege zur Brennholzbeschaffung und Trinkwasserversorgung werden noch länger werden. Zeit für Schulbildung bleibt den Mädchen dann keine mehr.

Auch die britische Umweltministerin Margaret Beckett forderte bei der Eröffnung der Konferenz eiligst Schritte gegen die globale Erwärmung zu treffen. Radikale Veränderungen in der Art und Weise wie Energie erzeugt und auch verbraucht werde, wären notwendig. Kyoto sei nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, so die Ministerin. (pte)

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