Fischerbuben als Skistars in spe

2. Februar 2005, 19:44
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Vom Traum des Senegalesen Lamine Gueye

Bormio - Was ist eigentlich aus der Geschichte mit den Fischerbuben geworden, frug man Lamine Gueye, als man ihn nach zwei Jahren wieder einmal traf. Jener exotischen Geschichte, die Gueye 2003 bei der WM in St. Moritz erzählt hatte, und die davon handelt, wie man senegalesische Kinder in Skistars verwandelt. "Ich bin dahinter. Die Geschichte lebt. Das Problem ist das Geld. Ich suche Investoren." Gueye (44) ist Präsident des senegalesischen Skiverbandes, in Bormio bestreitet er nächste Woche den Riesenslalom, er ist nicht nur sein eigener Chef, der um 21 Jahre jüngere Leyti Seck wird auch mitwirken, die Skier bekommen sie von Fischer, Gehalt gibt's naturgemäß keines.

Gueye lebt hauptsächlich in Paris, verbringt aber mindestens vier Monate im Jahr im Senegal. Und frönt seinem Hobby, dem Fischen. Nicht mit der Angel, sondern im Boot stehend mit der Harpune in der traditionellen Art. So machen es auch die Buben im Atlantik vor Dakar, sie stehen, erzählt Gueye, tagelang in ihren maximal fünf Meter langen und eineinhalb Meter breiten, von kleinen Außenbordmotoren angetriebenen Booten. "Die haben ein fantastisches Gleichgewichtsgefühl. Wenn du dich in so ein Boot stellst, fällst du sofort um."

Gueye ist überzeugt, dass besagte Buben prädestiniert für den Skisport sind. Dort, wo sie fischen, gibt's freilich keinen Schnee, also hat Gueye vor, die Talentiertesten in Europa zu Skifahrern auszubilden, spricht von einem Langzeitprojekt, das mindestens sieben Jahre lang dauert. Die Buben gehörten ja auch unterrichtet und versichert und ihre Familien im Senegal, zu deren Ernährung sie mit dem Fischfang wesentlich betragen, unterstützt.

Dank ihm, Gueye, sei der Skisport im Senegal durchaus ein Begriff, und "Schnee kennen die Leute aus dem Fernsehen und dem Internet". In Dakar gibt es sogar eine Hauptstraße, die den Namen Lamine Gueye trägt. Die ist freilich nicht nach dem Skifahrer bekannt, sondern nach dessen Großvater, der in Paris zum Anwalt ausgebildet wurde und als Parlamentspräsident Senegals maßgeblich zu dessen Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1960 beigetragen hatte. (bez - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.2. 2005))

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    Lamine Gueye

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