Eleganz in Öl und Kreide

7. Februar 2005, 20:06
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Musen kommen bei Christie's und Sotheby's unter den Hammer: Darunter zum Beispiel Kate Moss gemalt von Lucian Freud

Im Rahmen der nächste Woche in London stattfindenden Auktionen in den Kategorien Impressionisten, Moderne und Zeitgenössische Kunst kommen bei Christie's und Sotheby's eine Reihe von Musen unter den Hammer.


London - Die antiken Griechen führten den geheimnisvollen Prozess der künstlerischen Schöpfung auf das Werk der Götter zurück: den sprichwörtlichen Kuss der Musen.

Der Unterschied zwischen Inspirationsgeberin und dargestelltem Motiv ist oftmals eher in der Biografie als im Oeuvre des Künstlers zu finden. In vielen Fällen dürfte der Bote der göttlichen Idee Hormon (statt Hermes) gewesen sein und gingen den Kunstwerken faktische Küsse sehr realer Frauen voraus.

Die wahre Macht der legendären Spezies lag aber daran, das Gegenüber auf Abstand zu halten. Ob Gustav Klimts Beziehung zu Emilie Flöge rein geistiger Natur blieb, ist bis heute ein Geheimnis. Die Verbindung der beiden hatte jedenfalls auch familiäre Hintergründe: Emilies Schwester Helene heiratete 1891 Gustavs Bruder Ernst, der allerdings ein Jahr später verstarb; für die aus dieser Verbindung stammenden Tochter übernahm Gustav Klimt dann die Vormundschaft.

Am 9. Februar rückt dieses wohl bekanntesten Musenmodell der österreichischen Kunstgeschichte in den Mittelpunkt des Auktionsgeschehens. Sotheby's versteigert im Rahmen seines Impressionist-&-Modern-Art-Angebotes das von Gustav Klimt 1892 gemalte Bildnis von Emilie. 1998 hatte der Einbringer bei Sotheby's in London umgerechnet 177.000 Euro bezahlt; aktuell belaufen sich die Erwartungen der Experten auf 145.000 bis 218.000 Euro.

Am gleichen Tag gelangt ein außergewöhnlich elegantes Porträt Egon Schieles zur Versteigerung. Die auf 102.000 bis 131.000 Euro taxierte Kreidezeichnung zeigt die Schauspielerin Marga Boerner, von der Schiele 1917 noch zwei Gouacheporträts ausführte. Am selben Tag gelangt bei Christie's in der King Street eine Rarität aus dem Bereich zeitgenössischer Kunst zur Auktion: Lucian Freuds 2002 entstandener Akt von Kate Moss. Das Model räkelt sich hier ganz im Geist der Renaissance auf Freuds Atelierdiwan. Er, der zurückgezogene Einzelgänger, hatte professionelle Models stets gemieden. Ihre zweite, durch professionelles Posing zugelegte Haut hatte ihn weniger fasziniert als abgeschreckt.

Es würde ihm nicht gelingen zur wirklichen Person durchzudringen, begründete er etwa auch seine Ablehnung, ein Porträt von Prinzessin Diana zu malen. Bis 2002 blieb insofern die befreundete Jerry Hall - 1997 malte er das damals im neunten Monat schwangere Topmodel - die große Ausnahme.

Und dann tat Kate Moss in einem Interview mit einem Journalisten von Dazed and Cofused kund, dass sie gerne vor Lucian Freuds Staffelei treten würde. Die empörte Ablehnung des Künstlers ob dieser "Anbiederung" hielt nicht lange, und die damals ebenfalls schwangere Kate Moss fand sich fortan in späten Nacht- und frühen Morgenstunden im Atelier des Künstlers ein.

Gegenüber den Gazetten sprach Moss anschließend von einem Werk, das "mich einfängt, wie ich noch nie zu sehen war". Nach der Geburt ihrer Tochter deponierte sie noch ein halbherziges Kaufinteresse, das bei vier Millionen Dollar gelegen sein soll. Falls sie dieser Laune nun nachgeben will, wird sie entsprechend den Expertenschätzungen von Christie's nunmehr zwischen 3,6 und 5 Millionen Euro hinblättern müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 03.02.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • 2002 posierte die schwangere Kate Moss für Lucian Freud. Das Gemälde kommt bei Christie's in London unter den Hammer.
    foto: christie's

    2002 posierte die schwangere Kate Moss für Lucian Freud. Das Gemälde kommt bei Christie's in London unter den Hammer.

  • 1917 schuf Egon Schiele das Porträt der Schau-spielerin Marga Boerner, 
das bei Sotheby's zur Auktion gelangt.
    foto: sotheby's

    1917 schuf Egon Schiele das Porträt der Schau-spielerin Marga Boerner, das bei Sotheby's zur Auktion gelangt.

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