Weitere Kündigungen bei OeNB-Banknotendruckern

11. Februar 2005, 15:16
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OeBS kündigt nochmal 35 Leute, dieser "Kraftakt" soll die Gelddrucker aber wieder "auf gesicherten Weg" bringen

Wien - Die in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Banknotendruckerei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) startet eine zweite Kündigungswelle. Die Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruckerei (OeBS), eine hundertprozentige Tochter der Nationalbank, kündigt weitere 35 Mitarbeiter und fährt ihren Betrieb von drei auf zwei Schichten zurück. Laut dem Geschäftsführer des Unternehmens, Kurt Meyer, werden die Kündigungen dieser Tage beim Arbeitsmarktservice AMS angemeldet. Derzeit laufen noch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat, ein Sozialplan ist in Arbeit. Meyers trauriges Resümee: "So etwas ist die Mutter Nationalbank nicht gewöhnt."

Schon 2004 hat sich das Unternehmen, das im Auftrag der EZB Euronoten druckt und bei Ausschreibungen Aufträge für das Drucken internationaler Banknoten zu akquirieren versucht, von 80 Mitarbeitern getrennt. Gekündigt wurden damals rund 40 Leute: Die anderen konnten ihr Rückfahrticket in die OeNB, aus der die Druckerei 1998 ausgegliedert und ins kalte Wasser der Selbstständigkeit geworfen worden war, nützen, oder sie waren bei Personalbereitstellern beschäftigt. In den Schoß der Mutter Notenbank kann sich diesmal niemand mehr flüchten; jetzt wird wirklich "freigesetzt" (Meyer), der Personalstand sinkt auf 215 Mitarbeiter.

OeBS 2004 mit 20 Mio. Euro Verlust

Grund für die Aufräumungsarbeiten in der Hochsicherheitsdruckerei mitten in Wien sind Auftragsstand - und die Folgen der ausgeprägten Schräglage, in die das Unternehmen zuletzt durch einen Auftrag für eine halbe Milliarde Singapur Dollars (Auftragsvolumen: rund 20 Mio. Euro) geraten ist. Managementfehler, Abwicklungs- und Qualitätsprobleme hatten den Auftrag fast zum Kippen gebracht. Die Folge: Nachdem der ehemalige OeNB-Vorzeigebetrieb Druckerei schon 2003 einen Verlust eingefahren hatte, wurde im Herbst das Führungsteam ausgetauscht, zu guter Letzt kam auch noch der Rechnungshof ins Haus (sein Rohbericht soll Ende Februar fertig sein). Das Jahr 2004 endete für die OeBS wieder mit einem Verlust, diesmal von rund 20 Millionen Euro.

Dafür ist der vertrackte Singapur-Auftrag laut Meyer inzwischen repariert, bringe "positive Deckungsbeiträge". An der nächsten Ausschreibung für weitere 200 Millionen Dollar werde man sich wieder beteiligen. Nicht beteiligen wird sich dagegen die deutsche Konkurrentin Giesecke & Devrient an der OeBS: Diesbezügliche Gespräche endeten, angeblich aus rechtlichen Gründen, in einer Sackgasse.

Erfüllen sich die Pläne und Hoffnungen der neuen OeBS-Manager, dann wird der Druck auf die Gelddrucker heuer nachlassen. Mit dem "Kraftakt" (Meyer) Personalabbau und Schichtreduktion soll die Notenbanktochter 2005 den Umschwung schaffen und eine schwarze Null erwirtschaften. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2005)

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    Banknotendruckerei OeBS kündigt 35 Leute

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