Deutsche Telekom räumt auf

11. Februar 2005, 20:06
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Drei Jahre nach Einkaufsrausch und Schuldenkrise ist die Deutsche Telekom noch immer mit dem Aufräumen beschäftigt. Umbau auch bei T-Mobile in Österreich.

Bonn - Ein in einem 08/15-Wohnzimmer eingebauter Großbild-Plasmaschirm, der sich per Fingertipp in Fernseher, Radio, Internetstation oder Videorecorder verwandelt; eine Straßenbahn mit Webverbindung, die versuchsweise quer durch Bonn düst: Drei Jahre nach der großen Einkaufstour und anschließender Schuldenkrise ist die Deutsche Telekom (DT) noch immer mit Aufräumen beschäftigt.

Beim 14. Pressekolloquium, das am Mittwoch in Bonn stattfand, stand denn auch das multimediale "Home, sweet home" im Mittelpunkt. Richtig "sweet" ist dieses freilich noch nicht, die DT baut noch immer kräftig um, und DT-Chef Kai-Uwe Ricke schickt seine Führungskräfte zurück an die Front, wo sie Kundenservice lernen sollen.

T-Online etwa, Platzhirsch unter Europas Internetbetreibern, vermarktet offiziell das Breitbandinternet DSL und soll die Netztechnologie IP-Protocol pushen. Noch. Denn übrig bleiben dürfte vom einstigen Star wenig, wenn Rückzug von der Börse und Fusion mit der DT geschafft ist. Das breitbandige Ruder hat bereits die Festnetzsparte T-Com in Händen.

Umgebaut werden auch Säule zwei und vier des "T"-Konzerns: T-Mobile und T-Systems. Letztere entstand aus dem Systemhaus Debis und übernimmt sukzessive Rechenzentren und Netzwerke ihrer Mobilfunkschwester T-Mobile. In Deutschland wanderte sogar der Großkundenvertrieb zu T-Systems. "Der Großkunde will alles aus einer Hand", sagt T-Mobile-Vorstand René Obermann.

Umbau auch bei T-Mobile in Österreich

Dass selbiges demnächst auch T-Mobile Austria (TMA) droht, bestreitet Obermann nicht, fix sei aber noch nichts. Die Neuorganisation des Geschäftskundenbereichs sei noch in Arbeit, sagt Obermann. Auslagern könnte man die Logistik, was zunächst 30 Mitarbeiter betreffen würde.

An einem Grundproblem ändert die Neuorganisation freilich nichts: Die Deutschen haben in Österreich kein Festnetz und können in Industrie und öffentlichem Bereich nicht mit Kombipaketen aufwarten. "Das ist der Vorteil von A1", sagt Obermann. Ausweg wäre ein Einstieg bei der zur Restprivatisierung anstehenden Telekom Austria schaffen. "Das ist kein Thema, zu dem ich Ihnen Auskunft geben könnte", blockt Obermann auf STANDARD-Frage ab. (Luise Ungerboeck aus Bonn, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2005)

  • Deutsche Telekom baut um
    foto: deutsche telekom

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