Arbeitslosigkeit trifft (akademische) Frauen besonders

2. Februar 2005, 18:20
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In Österreich wurde im Jänner mit 364.082 Jobsuchenden ein neues Rekordniveau erreicht

Wien - Am österreichischen Arbeitsmarkt ist weiterhin keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Jänner weiter gestiegen. Mit 316.017 Jobsuchenden wurde in absoluten Zahlen der höchste Wert der Zweiten Republik registriert.

Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit im Jänner um 1,1 Prozent oder um 3569 Betroffene, gegenüber Dezember nahm die Zahl der Jobsuchenden saisonbedingt um 17.868 Personen oder um 6,0 Prozent zu. Dies geht aus den jüngsten vom Arbeitsmarktservice (AMS) veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für Jänner hervor.

Rechnet man zu den offiziellen Arbeitsmarktdaten die 48.065 in Schulung befindlichen Personen - die ja auch einen Arbeitsplatz suchen - dazu, erhöht sich die Jänner-Arbeitslosigkeit auf 364.082 Jobsuchende.

Im Jahresvergleich nahmen die Schulungen um 22,2 Prozent oder um 8730 Kurse zu. Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren Frauen mit plus 1,9 Prozent auf 108.558 Personen stärker betroffen als Männer mit plus 0,8 Prozent auf 207.459 Jobsuchende. Mit einem Plus von 4,9 Prozent fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei AkademikerInnen besonders stark aus.

Kein bloßes Konjunkturproblem

"Es wird nun hoffentlich klar, dass das Problem Arbeitslosigkeit nicht allein durch eine Erholung der Konjunktur gelöst werden kann", meint dazu die Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstitutes, Gudrun Biffl. Von der Arbeitslosigkeit betroffen wären vor allem Leute mit mittlerer Qualifikation. Ihre Jobs würden im Bereich der Produktionsprozesse in den billigeren Osten verlagert: "Kleinere und mittlere Unternehmen kommen schwer unter Druck, große Unternehmen siedeln ab. Die Produktivitätsfortschritte in Österreich kommen auch dadurch zustande, dass Unternehmen mit geringer Produktivität zusperren müssen."

Damit drohe Österreich aber eine Spaltung: "Diejenigen, die einen höher qualifizierten Job haben, verdienen gut, und die mit einer mittleren Qualifikation fallen vermehrt in die Arbeitslosigkeit und verdienen noch weniger." Ein Auseinanderdriften der Gesellschaftsschichten sei dann die Folge. Biffl meint, dass vor allem im Bereich der Ausbildung und Erwachsenenweiterbildung angesetzt werden müsste: "Hier ist Österreich Schlusslicht." Eine entsprechende Regionalplanung fehle hierzulande. Aber auch über das (teure) Wohlfahrtssystem und die Besteuerung der Arbeit sollte bald "eine breite Diskussion" geführt werden. "Die Arbeitnehmer sitzen auf einem Ast, und der heißt Unternehmen." (DER STANDARD, Printausgabe 03.02.2005)

Michael Moravec
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    Auf die Erholung der Konjunktur zu hoffen, kann keine Lösung für das eklatant zunehmende Problem sein.
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