Zeitung: Zagreb hält geheimen Kontakt zu Gotovina

18. Februar 2005, 07:19
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Unterhändler soll flüchtigen General getroffen haben

Zagreb - Nachdem das kroatische Wochenblatt "Globus" am Mittwoch über angebliche Kontakte zwischen der kroatischen Regierung und Ante Gotovina berichtet hat, meldete nun auch die Tageszeitung "Jutarnji list", dass ein Unterhändler der Regierung im November des Vorjahres den vom UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gesuchten General in Bosnien getroffen habe. Trotzdem sich die Zeitung auf "eine hochrangige Quelle im Kabinett" berief, dementierte ein Sprecher der Regierung den am Donnerstag erschienen Bericht.

Der Regierungsunterhändler Jure Kapetanovic wollte am Donnerstag den Artikel im "Globus" nicht kommentieren. Demnach soll Kapetanovic vergeblich versucht haben, Gotovina zu bewegen, sich freiwillig der Justiz zu stellen. Zum Treffpunkt sei der flüchtige General von unbekanntem Ort gekommen, hieß es in der Wochenzeitung unter Berufung auf Informanten im Geheimdienst und ausländische Quellen. Dies war gegenüber "Jutarnij list" offenbar bestätigt worden.

Der Streit um die Auffindung und Auslieferung Gotovinas belastet das Verhältnis zwischen Kroatien und der EU. Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte Zagreb Anfang der Woche gewarnt, den für 17. März geplanten Start von Beitrittsverhandlungen zu verschieben, sollte Gotovina nicht an das Haager Tribunal überstellt werden. Rehn zeigte sich überzeugt, dass sich der Verdächtige "im Zugriffsbereich" der kroatischen Regierung aufhält. Diese bestreitet das jedoch. Der General soll sich während des Kroatien-Krieges (1991-1995) Verbrechen gegenüber Serben schuldig gemacht haben.

"Jutarnji list" schrieb, Kroatien müsse nun alles Erdenkliche tun, um Gotovina ausfindig zu machen und festzunehmen, oder es müsse die internationale Gemeinschaft überzeugen, dass der als Kriegsverbrecher Gesuchte tatsächlich außer Reichweite der nationalen Behörden sei.

In der kroatischen Politik herrscht grundsätzlich Optimismus, was die Einhaltung des geplanten Termins für die Aufnahme der EU-Beitrittsgespräche betrifft. Parlaments-Vizepräsidentin Vesna Pusic warnte nach einem Besuch in Luxemburg jedoch: "Wir müssen einfach, unzweideutig und glaubhaft in der Umsetzung der Gesetze werden. Das waren wir bisher nicht", sagte sie der Tageszeitung "Novi List". Laut Pusic sind Dänemark, Schweden, Großbritannien, Belgien, Finnland, die Niederlande, sowie Estland und Tschechien gegen den Beginn der Beitrittsverhandlungen "ohne Gotovina". (APA)

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