Bildung für Obdachlose: Erste Absolventen der Grazer "Megaphon-Uni"

17. Februar 2005, 20:02
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Straßenmagazin Megaphon und Uni Graz luden ein Semester lang soziale Randgruppen in den Hörsaal - Fortsetzung geplant

Graz - Sie wohnen in Frauen- und Männerwohnheimen - und sie haben Hunger nach Bildung: Die 28 Absolventen der österreichweit einzigartigen, so genannten "Megaphon-Uni", die am Mittwochabend ihren Semesterabschluss samt feierlicher Zertifikatsverleihung feiern. Ziel war es, speziell sozial benachteiligten Menschen sowie Asylwerbern wissenschaftliche Inhalte "verständlich und spannend" näher zu bringen. "Die Reihe war ein voller Erfolg und wird eine Fortsetzung finden", zeigte sich Gottfried Reyer vom Magazin Megaphon erfreut.

Die Hörer bekamen u.a. "Einblicke in die Steirische Volkskultur" oder in die "Wunderbare Welt des Kochtopfes": Eine Chemikerin erklärte u.a. im "Aloisianum" - einer therapeutischer Wohngemeinschaft zur Rehabilitation Alkoholabhängiger - chemische Vorgänge rund ums Kochen. Am Programm stand aber auch ein Vortragsabend mit dem österreichischen "Weltraumpapst" Willibald Riedler an der Technischen Universität. Ein Chorabend mit Volksliedern der Romania im Frauenwohnheim der Stadt, unter dem Titel "Heiße Bienen" wurde den Zuhörern an der Uni Graz das Verteidigungsverhalten von Bienen näher gebracht.

Zusatzzertifikat für "Stammhörer"

"Nach dem ersten Termin hat sich die Reihe sehr schnell herumgesprochen und wir hatten im Durchschnitt rund 40 Besucher", so Reyer im APA-Gespräch. Die "Stammhörer" - jene, die drei Viertel aller Veranstaltungen besucht haben - werden nun mit einem speziellen Zertifikat der Veranstalter ausgezeichnet. Zusätzlich erhalten die Ansolventen Weiterbildungs- und Kultur-Checks, die von der Urania, der Grünen Akademie, dem Katholischen Bildungswerk, dem Grazer Schauspielhaus, der Theater im Bahnhof, dem Next Liberty sowie dem Augartenkino zur Verfügung gestellt werden.

Das soziale Bildungsprojekt wurde auf Initiative von Megaphon, der Caritas der Diözese Graz-Seckau und des Zentrums für Weiterbildung der Universität Graz mit finanzieller Unterstützung des Zukunftsfonds des Landes Steiermark ins Leben gerufen. Besonders Bedacht wurde darauf gelegt, die Veranstaltungen zweisprachig - Deutsch und Englisch - anbieten zu können.

Projekt soll weitergeführt werden

"Wir wollen das Projekt natürlich weiterführen", so Reyer. Dazu sollen die "Basics" beibehalten und das Angebot auch ausgeweitet werden: "Viele Vortragende haben sich auch schon für ein weiteres Mal zur Verfügung gestellt. Wir denken aber auch in Richtung Bewerbungstraining - interessant wäre sicherlich auch eine Einführung ins Arbeitsrecht", so der Megaphonmitarbeiter. Er hofft auf ein diesbezügliches Engagement von Seiten der Wirtschaftskammer und weitere Unterstützung durch den Zukunftsfonds. (APA)

  • Die Megaphon-Uni war ein Erfolg und soll fortgesetz werden.
    foto: standard

    Die Megaphon-Uni war ein Erfolg und soll fortgesetz werden.

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