Das große Duell um Kombi-Gold: Miller gegen Raich

3. Februar 2005, 12:45
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In Bormio geht es am Donnerstag endlich wieder um Medaillen - breiter Favoritenkreis bei Flutlichtentscheidung

Bormio - Nach drei Tagen ohne Entscheidung geht es am Donnerstag bei der alpinen Ski-WM in Bormio endlich wieder um Medaillen. In der Herren-Kombination heißt das große Duell Bode Miller (USA) gegen Benjamin Raich (AUT). Mit Michael Walchhofer zählt ein weiterer ÖSV-Läufer zum breiten Kreis der Mitfavoriten, Außenseiterchancen haben auch Mario Matt und WM-Debütant Kurt Engl. Gestartet wird der lange Kombi-Tag um 11:45 Uhr mit der Abfahrt, der Slalom wird um 15:30 und 18:00 Uhr gefahren - die zweite Herren-Entscheidung der WM fällt also bei Flutlicht.

"Der klare Favorit heißt Bode Miller", sind sich ÖSV-Herrencoach Toni Giger und WC-4-Gruppentrainer Andreas Evers einig. "Aber der Benni hat das Zeug, ihn unter Druck zu setzen", weiß Evers, unter dessen Fittichen in der WC 4 Raich und Walchhofer trainieren. Favoriten gibt es diesmal genug: Neben Miller und den Österreichern haben auch die norwegischen Kombi-Spezialisten Kjetil Andre Aamodt und Lasse Kjus, die Schweizer Didier Defago, Silvan Zurbriggen und Daniel Albrecht sowie Lokalmatador Giorgio Rocca und der Franzose Pierrick Bourgeat gute Medaillen-Chancen.

Die bisher einzige Kombi der laufenden Saison hat am Wengener Lauberhorn Benni Raich gewonnen. In der Schweiz hatte es die Premiere der so genannten "Super-Kombi" mit Abfahrt und nur einem Slalom-Lauf gegeben, in Bormio wird allerdings wieder "traditionell" (Abfahrt und zwei Slalom-Durchgänge) gefahren. Eine Tatsache, die vor allem Raich (bisher neun Slalom-Weltcup-Siege) entgegen kommen sollte. "Dadurch sind meine Chancen sicher größer", weiß Raich, der die seit 1991 (Stephan Eberharter in Saalbach) dauernde Gold-Durststrecke der ÖSV-Kombi-Herren beenden könnte.

Das Rechnen und Spekulieren überlässt der Pitztaler, zum WM-Auftakt im Super G überraschend Dritter, aber ansonsten den anderen. "Ich will auf mich selbst schauen und den Kopf für meine Sachen frei haben." Raichs Taktik klingt einfach: "In der Abfahrt Gas geben und dann im Slalom ein neues Rennen beginnen. Hoffentlich muss ich nicht zu viel aufholen."

Super G-Vizeweltmeister Walchhofer, der seinen ersten Weltcup-Sieg in der Kitz-Kombination 2003 gefeiert hatte, hat zu Silvester sowie am Dienstag in Bormio Slalom trainiert und sollte mit dem relativ flachen Slalom-Hang in Italien gut zurecht kommen. "Im Flachen war ich immer sehr schnell, das ist ein Vorteil", so der regierende Abfahrts-Champion, der, wenn alles nach Plan läuft, als Leader in den Slalom gehen sollte. "Aber ich muss dann den Slalom als Slalom sehen. Wenn man nur ans Vorsprung-Verteidigen denkt, dann geht das nicht gut."

Andi Evers ist von einer guten Slalom-Performance seines Schützlings überzeugt: "Er hat schon oft genug gezeigt, dass er im Slalom mithalten kann. Vielleicht verliert er auch gar keine Zeit." Der Unterschied zwischen Walchhofers Abfahrts- (2,15 m) und Slalom-Skiern (1,65) beträgt genau einen halben Meter.

Mario Matt holte bei der Heim-WM 2001 in St. Anton Silber und glaubt auch diesmal an seine Chance. "Eine Medaille ist möglich, sonst wäre ich nicht hier. Aber zuerst muss ich einmal drei gute Läufe runterbringen." Der Tiroler hat zwei Jahre nicht die Abfahrts-Latten angehabt, in den Trainingsläufen in Bormio war die Steigerung aber deutlich zu sehen. "Ich werde voll angreifen", verspricht Matt für die Abfahrt.

Mit der Einschätzung seiner Chancen sehr schwer tut sich WM-Debütant Kurt Engl. Bis zum Junioren-Bereich war der Salzburger im Speed-Bereich aktiv, danach folgte die Spezialisierung auf den Slalom. "Ich habe es aber nicht verlernt", so Engl, der 1999 bei der Junioren-WM Abfahrts-Silber geholt hatte. (APA)

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    Miller und Raich gelten als große Favoriten auf Gold.

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