Razzien gegen Schiedsrichter und Spieler

9. Februar 2005, 13:21
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Polizei durchsuchte Wohnungen von Ver­dächtigen in ganz Deutschland - Ermittlungen gegen 25 Personen - Schaden geht in die Millionen

Frankfurt/Main - Im deutschen Fußball-Betrugsskandal hat die Polizei am Mittwoch bundesweit Wohnungen mehrerer Schiedsrichter und Spieler durchsucht. Die Razzien hatten unter anderen Referee Jürgen Jansen (Essen), Zweitliga-Referees Dominik Marks (Berlin), sowie Schiedsrichter-Obmann Wieland Ziller (Dresden) betroffen. Auch Spieler, die im Zusammenhang mit Manipulationen von Spielen genannt worden waren, bekamen Besuch. Wie der Radiosender MDR Sachsen berichtet, waren fünf aktuelle oder ehemalige Akteure von Dynamo Dresden darunter. Die Behörden stützen sich bei ihren Aktionen auf Informationen von Robert Hoyzer.

Ebenfalls im Visier: Volker Oppitz, Torsten Bitterman, Ignjac Kresic, Ranisav Jovanovic (jetzt FSV Mainz) und Maik Wagefeld (jetzt 1. FC Nürnberg). Auch Cottbus-Tormann Tomislav Piplica hatte Beamte zu Hause. Die Berliner Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie derzeit Ermittlungsverfahren gegen 25 Beschuldigte wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges bzw. wegen Beihilfe dazu führe. Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse ginge der Schäden in die Millionen.

Hoyzer-Anwalt glaubt an weitere Ausuferung

Nach Ansicht des Anwalts Hoyzers, der die ganze Affäre um dubiose Machenschaften durch ein Geständnis ins Rollen gebracht hatte, wird sich der Skandal noch deutlich ausweiten. "So mancher meinte noch vor ein paar Tagen, als sich alle Augen allein auf meinen Mandanten richteten: So, da haben wir einen, der war's und damit Ende. Ehrlich gesagt, das glaube ich überhaupt nicht", sagt der Essener Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner der Wochenzeitung "Die Zeit".

Zu den Hintermännern der Wettbetrüger zählt der Jurist Personen aus dem osteuropäischen Geheimdienstmilieu: "So mancher dieser Leute aus dem europäischen Ausland gehörte früher zum Geheimdienst. Die haben sich neue Aufgaben gesucht", sagt Holthoff-Pförtner. Er gehe davon aus, dass es vergleichbare Netzwerke wie die in Berlin auch in anderen Regionen gebe. Die Staatsanwaltschaft Berlin sieht den geständigen Hoyzer derzeit offenbar nicht als Kronzeugen, sondern als Bandenmitglied. Dies berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Bezug auf Justizkreise in der Hauptstadt.

DFB-Krisenmanagement in der Kritik

Inzwischen räumte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erstmals Fehler bei der öffentlichen Darstellung im Schiedsrichterskandal ein. Kommunikationsdirektor Harald Stenger sagt der "Zeit", im Rückblick sei es ein möglicherweise falsch gewesen, zu Beginn des Skandals von einem Einzelfall zu sprechen: "Da hätte man sich vielleicht nicht so festlegen dürfen." Die DFB-Spitze gerät jedenfalls immer stärker unter Beschuss. Ihr wird vorgeworfen, viel zu spät auf erste Anzeichen von Wettmanipulationen reagiert zu haben. Insbesonders die Führungsqualitäten von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wird in Frage gestellt.

Der DFB wird seine unter Verdacht geratenen Schiedsrichter trotz deren Unschuldsbeteuerungen vorerst nicht einsetzen. "Alle, deren Namen jetzt fallen, werden nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Und da ist es wurscht, wie lange es dauert, bis die Sache geklärt ist", erklärte DFB-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell im "Kölner Stadt-Anzeiger". Der "Zeit" verriet Markus Merk, dass er angesichts des Skandals an sein vorzeitiges Karriereende gedacht habe. "Ich habe geschluckt und gedacht: Das ist so eine nachhaltige Störung meiner Ideale", gestand der kürzlich zur weltweiten Nummer eins seines Metiers gewählte FIFA-Referee. (APA/AP/dpa/red)

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