Altersforscher Leopold Rosenmayr feiert seinen 80er

2. Februar 2005, 13:34
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Praxisbezug zieht sich wie ein roter Faden durch sein wissenschaftliches Werk

Wien - Für die Medien ist er der Altersforscher der Nation. Tatsächlich ist das wissenschaftliche Werk des Wiener Soziologen Leopold Rosenmayr - der am 3. Februar seinen 80. Geburtstag feiert - wesentlich breiter. Seine rund 50 Seiten starke Publikationsliste umfasst Arbeiten zur Jugendforschung ebenso wie Studien über Familien- oder Gemeindesoziologie. Nicht zuletzt ist der studierte Philosoph und praktizierende Soziologe auch langjähriger Afrika-Forscher.

"Hoffnung statt Depression" lautet eine der Devisen, die Rosenmayr in seiner bekanntesten Funktion als Altersforscher ausgibt. So veröffentlichte er 2003 gemeinsam mit Geriatrie-Experten Franz Böhmer das Buch "Hoffnung Alter - Forschung, Theorie, Praxis". Darin setzen sich die Autoren mit dem Phänomen des durchschnittlich immer länger werdenden Lebens des Menschen auseinander.

Werdegang

Leopold Rosenmayr wurde am 3. Februar 1925 in Wien geboren. Nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft entschiede er sich für das Philosophie-Studium. Nach seiner Promotion im Jahr 1949 absolvierte er bis 1953 seine, wie er es selbst bezeichnet, "Lehr- und Wanderjahre" in Frankreich und den USA. Sein Schwenk von der Philosophie zur Soziologie resultierte aus dem Wunsch, "Brücken zur Gesellschaft" schlagen zu wollen.

Mit der Gründung einer "Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle" an der Universität Wien im Jahr 1954 war er entscheidend an der Wiederbelebung der empirischen Sozialforschung in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Sein Bestreben war es, die seit Beginn der dreißiger Jahre zurückgebliebene Forschung in diesem Bereich weiterzuentwickeln. So arbeitete er erstmals in Österreich mit sozialwissenschaftlichen Mikrozensen (statistischen Erhebungen der Bevölkerung, Anm.) und konzipierte empirisch-soziale Feldinterviews in Kooperation mit Psychologie und Tiefenpsychologie.

Auszeichnung für Praxisbezug

1963 wurde Rosenmayr Professor für Soziologie und Sozialphilosophie an der Uni Wien. Als Mitglied der österreichischen Statistischen Zentralkommission und als Berater bzw. Autor für mehrere Regierungsberichte, etwa den Familienbericht 1969 oder den Frauenbericht 1975, hat der Wissenschafter grundlegend an gesellschaftspolitischen Entscheidungen mitgewirkt. Für diesen Praxisbezug, der sich wie ein roter Faden durch sein wissenschaftliches Werk zieht, wurde Rosenmayr 1994 von der deutschen Schader-Stiftung ausgezeichnet. Der Soziologe wurde vor allem für seine über Jahrzehnte erfolgreiche Vermittlungsarbeit zwischen seinem Fach und der Praxis gewürdigt.

Seine empirischen Arbeiten zur Stadt-, Gemeinde-, Familien-, Jugend- und Alterssoziologie brachten Rosenmayr auch internationale Reputation. So untersuchte Rosenmayr den politischen Wertewandel in hoch entwickelten Gesellschaften, studierte Familienbeziehungen und Freizeitgewohnheiten jugendlicher Arbeiter und schrieb über die Kräfte des Alters. Der Vater von vier Kindern leitet das Ludwig Boltzmann-Institut für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung in Wien und ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Rosenmayr bereist und beforscht seit Jahrzehnten Afrika, speziell den westafrikanischen Staat Mali. So leitete der Soziologe auch immer wieder Forschungsprojekte in ländlicher und städtischer Umwelt. Im Mittelpunkt der Studien stehen die Konflikte zwischen den Altersgruppen und die Barrieren und Chancen der Jugend im Entwicklungsprozess. (APA)

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