Gedenken an die "Mühlviertler Hasenjagd"

2. Februar 2005, 13:22
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Gemeinsame Veranstaltung der drei Gemeinden, die in die einstige Hetzjagd auf geflohene KZ-Insassen involviert waren

Linz - Die von der SS zynisch als "Mühlviertler Hasenjagd" bezeichnete mörderische Hetze auf geflohene Insassen des Konzentrationslagers Mauthausen vor 60 Jahren war Thema einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung der drei betroffenen Gemeinden Mauthausen, Schwertberg und Ried in der Riedmark (alle Bezirk Perg) Dienstagabend. Die "Mühlviertler Hasenjagd" zählt zu den schlimmsten Kapiteln der österreichischen Geschichte.

Die Ereignisse im Februar 1945

In den Tagen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 2. Februar 1945, um 0.50 Uhr, wagten rund 500 russische Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen einen organisierten Ausbruchsversuch - der größte in der Geschichte der NS-Konzentrationslager. Die für den Betrieb des Konzentrationslagers zuständige SS startete die von ihr ausgerufene "Mühlviertler Hasenjagd". Den Sicherheitskräften und der Bevölkerung in der Umgebung wurde mitgeteilt, es seien 500 "Schwerverbrecher" aus dem KZ ausgebrochen, die eine große Gefahr darstellten. Sie müssten sofort "unschädlich" gemacht werden. Keiner dürfe lebend in das KZ zurückgebracht werden.

Nur etwas mehr als ein Dutzend der Geflüchteten überlebte das anschließende Morden. Neben den Mühlviertlern, die mitmachten, gab es auch solche, die den fliehenden Häftlingen unter großer persönlicher Gefahr halfen und sie zum Teil sogar monatelang versteckten.

Gedenkveranstaltung

Für die Opfer, jene, die damals halfen und dafür, dass die Menschen immer zivilen Mut beweisen sollten, organisierten die Gemeinden Mauthausen, Schwertberg und Ried in der Riedmark eine gemeinsame Gedenkveranstaltung, die zuerst zeitgleich in Mauthausen und Schwertberg begann und daran anschließend in Ried in der Riedmark fortgesetzt und beendet wurde. An ihr nahmen unter anderem der oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider und der Salzburger Landesrat Erwin Buchinger (beide S) teil. In Mauthausen fand die Feier vor dem dortigen Gendarmerieposten statt. Damit sollte auch daran erinnert werden, dass die Beamten vor 60 Jahren dem SS-Befehl, bei der "Hasenjagd" mitzumachen, wenig Folge leisteten - der Postenkommandant forderte seine Gendarmen auf: "Geht's auf Streife, aber schaut's weg".

Gestaltet wurde das Gedenken vom Autor Thomas Karny, der aus seinem authentischen Roman "Die Hatz" las und der Zeitzeugin Anna Hackl, die als Kind miterlebt hat, wie ihre Eltern zwei der geflohenen KZ-Häftlinge drei Monate lang versteckt und ihnen so das Leben gerettet haben. Sie gestand auf der Bühne ein, dass sie nicht sicher sei, ob sie in dieser Situation den gleichen Mut wie ihre Mutter aufgebracht hätte.

Ausschnitte aus "Vor Feigheit gibt es kein Erbarmen" gezeigt

Der Filmemacher Andreas Gruber, der auch Ausschnitte aus seinem Film "Vor Feigheit gibt es kein Erbarmen" über die damaligen Ereignisse zeigte, spannte in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereines "SOS-Menschenrechte Österreich" den Bogen zur Gegenwart und bat um Unterstützung für Asylwerber. Den musikalischen Rahmen bildeten Chöre der drei Gemeinden, die unter anderem die "Mauthausen-Kantate" des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis sangen.

Die Gedenkveranstaltungen in den drei Gemeinden fanden jeweils bei eisigen Temperaturen im Freien statt, keiner der Besucher ging aber früher weg. Das Rote Kreuz labte mit heißem Tee. Die Organisatoren hatten die Teilnehmer aufgefordert, Brot mitzunehmen: Es wurde zuletzt an alle verteilt - in Erinnerung daran, dass die Mühlviertler Bevölkerung vor 60 Jahren die Geflohenen meist mit Brot, Erdäpfeln und Milch versorgte.(APA)

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