Ist das Theater an der Wien "Gasthaus oder Restaurant"?

7. Februar 2005, 20:08
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Stichelei zwischen Staatsoperndirektor Holender und Theater an der Wien-Intendant Geyer

Wien - Schon lange vor der (Wieder-)Eröffnung als Opernhaus sorgt das Theater an der Wien für blendende Unterhaltung des Publikums. Protagonisten sind jedoch nicht Sänger, sondern Intendanten, und als Bühne dient derzeit nicht das Haus an der Wienzeile, sondern die Tageszeitung "Kurier". Auf deren Kulturseiten liefern sich Staatsopern-Direktor Ioan Holender und Theater an der Wien-Intendant Roland Geyer einen verbalen Schlagabtausch.

"Spielt man heute?"

Am Dienstag hatte Holender gegen die Behauptung einer künftigen "ganzjährigen Bespielung" des Theaters an der Wien gewettert: "Es ist unverständlich, dass das Haus nur an 83 Abenden bespielt wird. Man wird nicht fragen: Was spielt man heute? Sondern: Spielt man heute?" Heute antwortet Geyer in Hinblick auf den Repertoire-Betrieb der Staatsoper: "Wenn jemand am Abend schnell etwas essen will, geht er in ein Gasthaus, das täglich offen hat. Wenn er etwas Spezielles will, schaut er, wann dieses Restaurant geöffnet ist."

Überall die gleichen Sänger - "Urfad" findet Holender

Bis zum Ende seiner Amtszeit 2010 werde es keine weiteren Kooperationen der Staatsoper mit dem Theater an der Wien geben, hatte Holender erklärt, den ursprünglich mit dem Theater an der Wien geplanten Gluck-Zyklus mit Regisseur Peter Konwitschny werde er 2009/10 mit der Bayerischen Staatsoper produzieren: "Was zwischen Naschmarkt und Ring nicht funktioniert, funktioniert jetzt zwischen Wien und München." Überdies wundere es ihn, dass man im Theater an der Wien für die Opernbespielung "nicht einmal den Ehrgeiz hat, andere Sänger zu finden: "Es treten unzählige Sänger auf, welche das Wiener Opernpublikum aus Volks- und Staatsoper bereits kennt. Das ist ja noch fader als in Berlin, wo wenigstens die drei Häuser nicht die gleichen Sänger haben."

Geyer: Nicht "jeden Tag auf Teufel komm raus den Vorhang hochgehen" lassen

"Pervers", nennt dagegen Roland Geyer am Mittwoch in einer Replik die Rechnung des Staatsoperndirektors: "Die Anzahl der Schließtage anprangern und mit seiner 'Idomeneo'-Produktion doppelt so viele Schließtage verursachen wie alle anderen Produktionen. Für sechs 'Idomeneo'-Aufführungen blockiert die Staatsoper das Theater im Jänner/Februar 2006 sieben Wochen lang." Das Theater an der Wien sei eben "ein Stagione-Theater und kein Repertoire-Theater", dessen Aufgabe es sei, "jeden Tag auf Teufel komm raus den Vorhang hochgehen zu lassen."

Geyer: "250 Alt- und Uraltaufführungen pro Jahr" in der Staatsoper

"Es geht doch nicht ums Tagezählen, sondern um Qualität und darum, dass Regie und Dirigat gleichberechtigt sind", so Geyer weiter. Im übrigen trage die Staatsoper "mit 250 Alt- und Uraltaufführungen pro Jahr vorrangig" zur bekrittelten Fadesse bei. Er sehe sich in Konkurrenz zu den wichtigsten europäischen Stagione-Häusern, weshalb die Spieltage nicht das Wichtigste seien. Bis 2010 möchte Geyer, der eine Verlängerungsoption bis 2015 hat, dem Theater an der Wien ein neues Foyer geben. Schon zuvor soll die Fassade umgestaltet werden. Die Ankündigung Holenders, nach 2007 keine weiteren Kooperationen eingehen zu wollen, quittiert Geyer so: "Das ist vielleicht auch besser so." (APA)

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