Entscheidung über Neubau vertagt

3. Februar 2005, 17:38
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Stadion in Klagenfurt vor dem Aus: Alle Pro­jekte wurden vorab veröffentlicht - Vizebür­germeister: "Errichtung nicht mehr möglich"

Klagenfurt - Der Neubau des Klagenfurter Fußballstadions steht zwei Tage vor der vorgesehenen Vergabe an den Bestbieter vor dem Aus. In dem Wochenblatt "Kärntner Woche" wurden am Mittwoch sämtliche eingereichten Projekte veröffentlicht, dies könnte nach dem Vergabegesetz einen Abbruch des Vergabeverfahrens zur Folge haben. Das neue Klagenfurter Stadion ist als ein Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz vorgesehen.

Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (VP) erklärte, nun müsse man den Versuch machen, "zu retten, was zu retten wäre". Vizebürgermeister Ewald Wiedenbauer (SP) befürchtet, dass die Fußball-EM 2008 in Kärnten "endgültig gestorben ist". Die Vergabekommission sei nach Veröffentlichung der Angebote nicht mehr im Stande eine ordentliche Vergabe des Projekts zu Stande zu bringen. Wiedenbauer: "Das Verfahren ist damit einzustellen, eine Errichtung des Stadions ist nicht mehr möglich."

Treffen mit Vergabekommission

Scheucher und Wiedenbauer trafen am Mittwoch Nachmittag in Wien mit dem Leiter der Vergabekommission, Peter Gattermann, zusammen. Dabei wurde die Entscheidung über den Neubau des Klagenfurter Fußballstadions vertagt. Nach einer fast sieben Stunden dauernden Krisensitzung wurde beschlossen, die Gutachter Josef Aicher und Michael Holoubek mit einer Expertise zu beauftragen, ob das Vergabeverfahren trotz der vorzeitigen Veröffentlichung aller Anbote weitergeführt werden kann.

Scheucher vermutet hinter der Peinlichkeit eine lenkende Hand. Der Bürgermeister auf orf.at: "Wer das Gutachten den Medien zugespielt hat, wird wohl nicht zu beweisen sein. Wer immer es auch war - er setzt alle Mittel ein, um das Stadion-Projekt zu verhindern." Außer ihm selbst hätten seine beiden Stellvertreter Wiedenbauer und Mario Canori (FP) sowie Landeshauptmann Jörg Haider und dessen Vize und Parteifreund Karl Pfeifenberger nebst dem Leiter des Vergabeverfahrens, Peter Gattermann, das Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei erhalten.

Informanten werden nicht preisgegeben

Das Gutachten sei dem Blatt "von Informanten zugespielt" worden, wurde von der "Kärntner Woche" bestätigt. Obwohl jetzt der Druck auf die Redaktion steige, diese Informanten preis zu geben, werde dies nicht geschehen, hieß es. "Wie für alle Medien ist uns der Schutz von Informanten das höchste Gut und wird ohne jede Ausnahme respektiert", erklärte Chefredakteur Uwe Sommersguter.

Der ÖFB reagierte mit einer knappen Stellungnahme auf die unerfreulichen Nachrichten aus Kärnten: Man gehe "davon aus, dass Bürgermeister Scheucher und Peter Gattermann, der Vorsitzende der Vergabekommission, die entsprechenden Schritte setzen, um den vertraglichen Verpflichtungen, die den Bau des Stadions in Klagenfurt mit Garantieerklärungen absichern, nachzukommen."

"Es gilt nun über Alternativen nachzudenken. Ich sehe persönlich keine Möglichkeit mehr für Klagenfurt", sagte Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer in einem ORF-Interview. Nach seiner Ansicht sei die Veröffentlichung der Stadion-Projekte "strafrechtlich zu verfolgen".

Deutliche Preisunterschiede

Laut dem in der "Kärntner Woche" veröffentlichten Gutachten der Kanzlei BKQ (Klaus und Quendler Rechtsanwaltsgesellschaft) ist die Bewerbergemeinschaft Porr Techno Bau und Alpine Mayreder Bau GmbH mit 59,84 Mio. Euro Billigstbieter. Das teuerste Angebot kam von der Bewerbergemeinschaft Max Bögl Austria GmbH und von Gerkan, Mark und nPartner, die das Stadion um 81,55 Millionen errichten wollen, bei einem Zuschlag wird ein Preisnachlass von fünf Prozent angeboten.

Die Strabag AG von Hans-Peter Haselsteiner hat gemeinsam mit Siemens mitgeboten, sie verlangt 67,74 Mio, Euro, die deutsche Gemeinschaft Hellmich/Queck liegt mit 66,2 Mio. knapp darunter. Auch die Swietelsky Bau GmbH hat ein Anbot gelegt, es liegt bei knapp 70 Mio. Euro, die Bauunternehmung Granit GmbH und die Ast Baugesellschaft mbH würden um 79,89 Millionen ein neues Stadion hinstellen. (APA/red)

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    Bei der Unterzeichnung des Grundsatzabkommens zwischen Bund und Land zur Errichtung des Klagenfurter Stadions herrschte noch eitel Wonne (v. li nach re: Staatssekretär Schweitzer, Bürgermeister Scheucher und Landeshauptmann Haider)

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