Am Telekomsektor herrscht in 4 von 16 Märkten effektiver Wettbewerb

11. Februar 2005, 20:06
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Niedrige Verbindungs­entgelte im Mobilfunk werden durch hohe Terminierungs­entgelte und Roaminggebühren finanziert

Wien - "Solange es nationale Monopole gibt, wird es auch eine sektorspezifische Regulierung geben", betonte am Dienstag Abend der Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Georg Serentschy, vor Journalisten. Von den 16 Teilmärkten herrsche in Österreich nur in vier Bereichen ein effektiver Wettbewerb, so das Ergebnis der Marktanalyse des Regulators. Er erteilt damit den Wünschen des ehemaligen Monopolisten Telekom Austria eine Absage, die ein Ende der Marktregulierung fordert.

"Effektiver Wettbewerb" herrscht laut RTR bei Zugang und Originierung (Gesprächszustellung) im Mobilfunkbereich, beim Markt für Mietleitungen auf Hauptverkehrsstrecken ("Trunk"), bei Auslandsgespächen für Privatkunden und im Transitmarkt (Verbindungen zwischen lokalen Vermittlungsstellen). Bei letzterem ist allerdings die EU-Kommission anderer Meinung. Grundsätzlich lasse sich laut Behörde folgende Faustregel feststellen: Je mehr Anbieter desto mehr Wettbewerb.

Wettbewerb auch bei Festnetz und VoIP

Als Schwerpunkte für das erste Halbjahr 2005 nannte Serentschy die Klärung der Frage, in wie weit das Handy den Festnetzanschluss ersetzt und welche Bedeutung Internettelefonie ("Voice over IP", VoIP) künftig auf die Märkte haben werde. Ziel sei es, eine nachhaltige Steigerung des Wettbewerbes zu erreichen, wie es etwa beim Zugang zu Mobilfunkdiensten schon der Fall sei. Im Spätherbst des heurigen Jahres soll die nun vorerst abgeschlossene Marktanalyse in die nächste Runde gehen. Serentschy geht davon aus, dass die bisherige Telefonie "schneller als von vielen erwartet" Konkurrenz durch Internettelefonie bekommen werde.

Die Kritik des Mobilkom Austria Chefs, Boris Nemsic, wonach am Personalabbau bei den Handynetzbetreibern eine "verfehlte Regulierungspolitik" schuld sei, wies Serentschy zurück. "Wir haben nicht nach einem Preiskampf gerufen", konterte er. Der RTR-Boss verweist darauf, dass die im europäischen Vergleich besonders niedrigen Verbindungsentgelte im Mobilfunk durch hohe Terminierungsentgelte und Roaminggebühren finanziert würden.

In den vergangenen Monaten hatten die großen Netzbetreiber den Druck auf eine Senkung der Terminierungsentgelte gedrängt, da sie ihrer Meinung nach damit die Preisschlacht von tele.ring mitfinanzieren. tele.ring erhält von den Mitbewerbern höhere Entgelte als die Konkurrenz, was die Regulierungsbehörde mit dem späten Marktstart begründet. Ein "unverbindliches Positionspapier" des Regulators zu den Terminierungsentgelten soll nun die Basis für bilaterale Gespräche zwischen den Betreibern sein. (APA)

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    Kein Ende der Marktregulierung

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