Acht Staaten Osteuropas wollen Diskriminierung von Roma abschaffen

2. Februar 2005, 19:12
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3.000 Roma demonstrieren in Sofia am Rande einer von der Weltbank initiierten Konferenz gegen Roma-Diskriminierung

Belgrad/Sofia/Sarajewo/Göttingen - Die Regierungsvertreter von acht Ost- und Mitteleuropa-Staaten haben sich bei einem Treffen in Sofia am Mittwoch dazu verpflichtet, sich in den nächsten zehn Jahren intensiv um die Abschaffung der Diskriminierung von Roma und ihrer Eingliederung in die jeweilige Gesellschaft zu bemühen.

"Wir setzten uns dafür ein, die breite Eingliederung der Roma in jedem Land zu unterstützen, damit sie Ziele erreicht, wie dies die Bildung, Beschäftigung, Gesundheitswesen, bessere Unterkunft sowie der Kampf gegen die Diskriminierung und niedrige Löhne für diese Volksgruppe sind", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Konferenzteilnehmer. Der EU-Vertreter in Sofia, Dimitris Kourkulas, betonte, dass in den neuen EU-Staaten und den Kandidatenländer Bulgarien und Rumänien durch die EU-Fonds Maßnahmen zur Roma-Eingliederung gefördert werden.

An der von der Weltbank initiierten Konferenz nehmen Regierungsvertreter von Bulgarien, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Serbien-Montenegro und der Slowakei teil. Die Initiative zur Eingliederung von Roma wird auch von der Stiftung "Offene Gesellschaft" des aus Ungarn stammenden US-Milliardärs George Soros unterstützt. In Mittel- und Osteuropa leben insgesamt etwa sechs Millionen Roma - die meisten von ihnen in großer Armut und unter schlechtesten Lebensbedingungen.

Demonstration gegen Armut und Ausgrenzung

Etwa 3.000 Roma protestierten anlässlich der Konferenz am Mittwoch in der bulgarischen Hauptstadt gegen Armut und Ausgrenzung. Auf Transparenten forderten sie bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze. Soros verurteilte die "ethnische Abstoßung" der Roma in Europa. Seine Stiftung "Offene Gesellschaft" will die Roma-Eingliederung mit 30 Millionen Dollar (23 Mio. Euro) unterstützen. Weitere 43 Millionen Dollar wurden von Regierungen, internationalen und privaten Organisationen zugesagt.

"UNMIK ignoriert bedrohliche Situation der Roma im Kosovo"

Zum Beginn der Konferenz hat die Gesellschaft für bedrohte Völker der UNO-Übergangsverwaltung für das Kosovo (UNMIK) vorgeworfen, die bedrohliche Situation von Roma zu ignorieren. So seien die Flüchtlingslager in den Kosovo-Gemeinden Cesmin Lug, Kablare, Zvecani und Leposavic auf Schutthalden mit verseuchten Minenresten errichtet worden, die bleihaltigen Staub in die Luft abgäben.

Der Vorsitzende der Menschrechtsorganisation, Tilman Zülch, erklärte in einer Pressemitteilung, dass laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Juli vergangenen Jahres "744 Roma-Familien der Bleivergiftung unmittelbar ausgesetzt" seien. Die höchsten Bleiwerte seien bei Kindern festgestellt worden. "Es ist unerträglich", so Zülch, "dass sechs Jahre nach der Befreiung der albanischen Bevölkerung durch internationale Truppen Roma und Ashkali weiter in Flüchtlingslagern eingesperrt sind".

Die Gesellschaft für bedrohte Völker forderte die Teilnehmer der von der Weltbank, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ausgerichteten Konferenz auf, die Flüchtlingslager im Kosovo aufzulösen und die Bewohner aus den verseuchten Gebieten heraus zu holen. (APA/dpa)

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    Rund 3.000 Roma demonstrierten in Sofia für bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätze.

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