Stöckl-Gruppe kauft Blizzard Sport

8. Februar 2005, 16:40
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Transaktion per 1. April - Vertrag wurde Mittwoch Abend unterzeichnet

Salzburg - Der Raiffeisenverband Salzburg trennt sich per 1. April 2005 von Blizzard Sport. Neuer Eigentümer ist die Firma IQ-Sport GmbH, ein Tochterunternehmen der Stöckl-Gruppe, die sich im Besitz der niederösterreichischen Unternehmerfamilie Stöckl befindet. Der Vertrag mit dem oberösterreichischen Familienunternehmen Rohol (Rosenauer Holzverarbeitung) wurde am Mittwoch Abend unterzeichnet.

Im Rahmen der Gruppe werden mit 300 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten in Österreich neben Furnierholz, Parkett und Tischlerplatten auch Skikerne aus Holz produziert. Gemeinsam mit der Skifirma Fischer wird eine Skiproduktion in der Ukraine mit 1.300 Personen betrieben.

Von diesem Eigentümerwechsel nicht betroffen sind Blizzard Composite und Blizzard Wingliner, die weiterhin mehrheitlich dem RVS angehören. Somit bleibt auch der Standort Mittersill erhalten.

Reorganisation

Raiffeisen hat Blizzard in den vergangenen zehn Jahren reorganisiert und die Produktion auf neue Beine gestellt. Mit dem jetzigen Verkauf ist der Raiffeisenverband Salzburg zu seiner Aussage gestanden, Standort und Arbeitsplätze möglichst in österreichischer Hand zu erhalten. Der jahrelange finanzielle Einsatz hat sich damit als richtig erwiesen. Außerdem wurden - neben großartigen sportlichen Erfolgen - mit einer exzellenten Produktionsmannschaft deutliche Zeichen auf dem Weltmarkt gesetzt.

Standort bleibt

Der Verkauf an die IQ-Sport GmbH - über den Preis wurde nichts verlautbart - erfolgt im Wesentlichen unter folgenden Voraussetzungen: IQ übernimmt mit 1.4.2005 die Blizzard Sport GmbH und damit die Skiproduktion und die damit verbundenen Patente und Lizenzen. Die Betriebsliegenschaft mit den Fabriksgebäuden bleibt im Eigentum von Raiffeisen und wird an die Firma IQ Sport GmbH mit jenen Teilen vermietet, die für die Skiproduktion erforderlich sind.

Die Erzeugung der Kunststoffpaneele und der Lkw-Aufbauten verbleibt ebenfalls an diesem Standort und wird weiterhin von Tochterunternehmungen des Raiffeisenverbandes Salzburg betrieben bzw. künftig noch weiter ausgebaut werden. Als weiterer Geschäftsführer wird Karl Hofstätter bestellt, der auch mit 33,3 Prozent an der IQ-Sport GmbH beteiligt ist.

Käufersuche seit Oktober

Raiffeisen-Generaldirektor Manfred Holztrattner hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres angekündigt, dass er Käufer für den Skihersteller sucht. Sieben Interessenten haben sich daraufhin gemeldet. Mit der neuen Übernahme rechnet man, dass die Beschäftigten des seit 15 Jahren in Mittersill unrentabel arbeitenden Skiherstellers erhalten bleiben.

Die bei Raiffeisen verbleibende Blizzard Composite spezialisiert sich auf die Entwicklung und Produktion von Kunststoffkernen und Verbundpaneelen für unterschiedlichste Branchen. 1999 wurde die erste PepCore-Anlage installiert und in Betrieb genommen. 2001 meldete Blizzard Composite bereits eine Verdoppelung des Umsatzes. Die darauf folgenden Jahre standen dann ganz im Zeichen des Ausbaus der europaweiten Vertriebsstruktur.

Verkauf und Rückkauf

Der Raiffeisenverband Salzburg übernahm im Jahr 1995 das Blizzard-Werk, das sich zu diesem Zeitpunkt auf Grund drastischer Einbrüche am Weltskimarkt in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand. 1996 wurde Blizzard an die US-Firma Scott verkauft. Da unter Scott die Gefahr der Schließung des Standortes bestand, wurde dieser Verkauf 1998 durch das Engagement des Raiffeisenverbandes Salzburg rückabgewickelt und der Standort Mittersill mit damals über 300 Mitarbeitern zunächst abgesichert.

Ende der 90er Jahre initiierte der Raiffeissenverband Salzburg bei Blizzard mit der Realisierung eines Forschungsclusters ein völlig neuartiges Unternehmenskonzept. Das Unternehmen wurde neu geordnet und mit neuen Produktionssparten erweitert: Aus dem Skihersteller wurde ein breit gefächerter Konzern.

Analog zur Produktpalette entstanden drei neue Divisionen: Blizzard Sport fasste alle Skibereiche zusammen, Blizzard Composite die Fertigungen von Verbundplatten (Betis) und Kunststoffkernen (Pep-Core), und als dritte eigenständige Einheit wurde der Bereich Wingliner (Lkw-Aufbauten) geschaffen. Über diese einzelnen Sparten wurde eine 100prozentige RVS-Holding etabliert. "Wir wollten klare Strukturen und Kompetenzen schaffen", erklärte Generaldirektor Manfred Holztrattner. Der enorme Wettbewerb zwischen den großen Skiherstellern machte es erforderlich, Produktionszweige außerhalb der Skierzeugung zu forcieren. (APA)

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