Terrorverdächtige in Spanien und Belgien festgenommen

2. Februar 2005, 19:14
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Marokkaner sollen in Madrid-Anschläge verwickelt sein - Mutmaßlicher Europa-Sprecher von Al Kaida dabei

Madrid/Brüssel - Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen auf Vorortzüge in Madrid am 11. März 2004 sind in Spanien und Belgien fünf verdächtige Marokkaner festgenommen worden. In Leganes bei Madrid seien am Dienstagmorgen drei Männer und eine Frau gefasst worden, teilte das spanische Innenministerium mit. Die Marokkaner stünden in direktem Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Attentaten von Madrid. In Brüssel nahmen Beamte am Abend einen Mann fest, der Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida habe und ebenfalls in die Madrider Anschläge verwickelt sein soll.

Bei den in Spanien Festgenommenen handelt es sich um zwei 20-jährige Brüder, ihren 43-jährigen Vater und dessen 42-jährige Ehefrau. Laut Ministerium gehört die Familie möglicherweise der Organisation Islamische Kampfgruppe Marokkos an, die als Ableger des Terrornetzwerks Al Kaida gilt. Den Angaben zufolge sollte ein Richter die vier Verdächtigen verhören und binnen drei Tagen über das weitere Vorgehen entscheiden.

Verdächtiger in Bekenner-Video

Die spanischen Behörden verdächtigen den in Belgien festgenommenen 28-Jährigen, unter dem Pseudonym "Abou Doujanah" Sprecher der Al Kaida in Europa zu sein. Der Mann war im vergangenen März im Rahmen eines Einsatzes gegen die Islamische Kampfgruppe Marokkos in Belgien festgenommen, nach zwei Monaten aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen worden.

Dem spanischen Innenministerium zufolge könnte der in Belgien Festgenommene in einem Video zu sehen sein, in dem sich das Terrornetzwerk von Osama bin Laden seinerzeit zu den Anschlägen auf Züge und Bahnhöfe bekannte. Dabei kamen 191 Menschen ums Leben, mehr als 1.500 wurden verletzt. Der Verdächtige wurde bereits im März in Belgien festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt, und jetzt erneut festgesetzt.

18 Verdächtige in Haft

Derzeit sitzen insgesamt 18 Verdächtige wegen der Anschläge von Madrid mit 191 Toten und 1900 Verletzten in Haft. Die meisten von ihnen stammen aus Marokko. Ein spanischer Jugendlicher ist im Zusammenhang mit den Anschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid bereits zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte zugegeben, mit einer bewaffneten Gruppe zusammengearbeitet und Sprengstoff transportiert zu haben.

Die Islamische Kampfgruppe Marokkos wurde von früheren marokkanischen Afghanistan-Kämpfern gegründet. Die Organisation wird auch für die Anschläge von Casablanca im Mai 2003 mit 45 Toten verantwortlich gemacht. (APA/AFP/AP)

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