Rare Symphonik für Senioren der Jeunesse

7. Februar 2005, 08:20
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Luxemburger Orchester im Konzerthaus

Wien - In der etablierten Musikwelt verbindet man Luxemburg fast ausschließlich mit dem Titel einer Lehár-Operette. Seit Montag weiß man in Wien, dass es dort neben dem im besagten Titel erwähnten Grafen auch ein passables Symphonieorchester gibt.

Das war allerdings nicht die einzige Korrektur der Assoziationen, zur der dieser Abend Anlass gab. Wer sich bei einem Jeunesse-Konzert ein überwiegend jugendliches Publikum erwartete, durfte staunend zur Kenntnis nehmen, dass es in der Hauptsache jugendlich gebliebene reifere Herrschaften waren, die den Großen Konzerthaussaal bis auf den letzten Platz füllten.

Und dies bei einem Programm, dass, erfreulicherweise, nicht unbedingt im Brennpunkt des landesläufigen Interesses liegt. So ist der Franzose Gabriel Pierné (1863-1937) hier zu Lande so gut wie unbekannt. Mit dem eingangs gespielten Ausschnitt aus seinem Ballett Cydalise et le chèvre-pied (Cydalise und der Bocksfuß) lernte man in ihm einen klassizistischen Romantiker kennen, der im differenzierten Einsatz der Themen und Farben wohl auch am Impressionismus andockt und in seiner Freude an satten und saftigen Klängen in Joseph Marx sein (mittlerweile ebenfalls völlig unbekannt gewordenes) österreichisches Pendant hat.

Auffällig an diesem Abend war auch, dass sich die hinreißende Bravour, mit der den Luxemburgern unter ihrem Chefdirigenten Bramwell Tovey dieser Auftakt glückte, im gleichen Ausmaß nicht wiederholte; am ehesten noch in Alexander Borodins hier ebenfalls so gut wie nie gespielter zweiten Symphonie.

Mozart-Grimassen

Mozarts Krönungskonzert (KV 537) hingegen wurde alles eher als die Krönung dieses Konzerts. Dies verhinderte nicht nur das Mienenspiel des Solisten Fazil Say. Dieses ist nicht nur im höchsten Maß gewöhnungsbedürftig, es verrät auch das etwas simple Mozart-Bild, das er mit nicht ganz unirritabler technischer Bravour vermittelte und was vom stilistisch wenig firmen Orchester nicht korrigiert werden konnte.

Auch im Verlauf von Maurice Ravels La valse blieb zwischen den durchwegs makellos gespielten Noten vieles an poetischer Stimmung ungesagt. (Peter Vujica/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 2. 2005)

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