Architektur per Sattelschlepper

4. Februar 2005, 20:20
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"Konstruktive Provokation" nach Frankreich auch in Österreich

Bregenz - Ein winterweißer Sattelschlepper fuhr am vergangenen Montag ins Bregenzer Kunsthaus (KUB). Der Lkw-Sattelauflieger wird bis 28. März in der Eingangshalle stehen. Von seiner Ladefläche aus kann man ins Vorarlberger Architekturland schauen. Zu sehen ist "Konstruktive Provokation - eine Ausstellung zur Vorarlberger Baukultur seit 1960".

Als "Symbol für Aufbruch" verstehen die Architekten Stefan und Bernhard Marte ihr Bau-Fahrzeug. Das Büro Marte.Marte hatte einen Miniwettbewerb unter Vertretern der jüngsten Architektengeneration gewonnen und durfte die Frankreich-Wanderausstellung von Adolph Stiller, Otto Kapfinger und Reinhard Gassner für das KUB adaptieren. Knapp zwei Monate lang wird nun auch in Vorarlberg gezeigt, was französische Architekturinteressierte seit 19 Monaten fasziniert: Die Entwicklung einer breiten gesellschaftlichen Bewegung, die zeitgenössische Architektur zum Mittelpunkt hat.

"Die Ausstellung muss unbedingt auch daheim gezeigt werden." Darüber waren sich Eröffnungsgäste wie Staatssekretär Franz Moral und Landeshauptmann Herbert Sausgruber einig, als "Une provocation constructive" im Juni 2003 in Paris eröffnet wurde. Es brauchte einen Anstoß von außen, konkret von Marie-Hélène Contal, stellvertretende Direktorin und Kuratorin der Cité de l'architecture et du patrimoine (Paris), um dem Phänomen Vorarlberger Baukultur auf den Grund zu gehen. Ab kommenden Freitag wird die deutsche Version gezeigt.

"Konstruktive Provokation" präsentiert keine Schöner-wohnen-Hitparade, sondern zeigt in großformatigen Fotografien von Ignacio Martínez die Entwicklung seit 1960, zusammengefasst in 13 Themenblöcken. Kritische Anmerkungen zum Status quo darf man sich vom Begleitprogramm, einer interdisziplinären Diskussions- und Exkursionsreihe, erwarten. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 2. 2005)

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