Gericht: Polinnen für die Sauna

4. Februar 2005, 16:21
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Ein Rechtsanwalt wollte für eine bankrotte Mandantin "neue Geschäftsfelder eröffnen"

Wien – Ein Rechtsanwalt wollte für eine bankrotte Mandantin „neue Geschäftsfelder eröffnen“. Das ist ihm insofern nur mäßig gut gelungen, als er heute wegen „grenzüberschreitendem Prostitutionshandels“ vor Gericht steht. Denn das rechteckige Geschäftsfeld, an das er gedacht hat, wäre ein Swimmingpool gewesen, rund um diesen sich junge Polinnen tummeln sollten.

Betriebsanleitung für Prostitution

„Tummeln“ im wahrsten Sinne. Denn in der vom Anwalt herangezogenen „Betriebsanleitung für Prostitution in der FKK-Sauna“ werden die Mädchen dazu angehalten, pro Freier nicht länger als 30 Minuten zu benötigen. Verteidiger Peter Philipp meint zwar einleitend: „Es ist sinnlos, dass hier ein Anwalt lange spricht.“ Aber er meint damit keineswegs seinen Mandanten, sondern überraschenderweise sich selbst. (Und wenn Philipp einmal lieber nichts sagt, muss der Fall schon ordentlich peinlich sein.)

Der polnischen Geschäftsfrau im Transportwesen drohte ein Insolvenzverfahren. Ihr Rechtsanwalt Dr. N. riet ihr, sie solle sich doch in ihrer Heimat nach jungen Mädchen umsehen und diese im Sinne des Unternehmensgedankens nach Wien transportieren, wo sie Sauna-spezifisch tätig sein könnten. „Ursprünglich war eine Wäscherei geplant“, berichtigt der Angeklagte: „Die Frauen hätten alles Mögliche arbeiten können.“ Zum Beispiel: „Im Putzdienst als Reinigungskräfte, also, äh, Putzfrauen im, äh, Reinigungssektor (. . .)“ – Muss ihn der Richter eigentlich so durchdringend anschauen? Ja, da existiert eben diese blöde Liste, die der Rechtsanwalt seiner Mandantin mit auf Reisen in den Osten gab – noch dazu in doppelter Ausführung: Deutsch und Polnisch.

Dieses Sauna-Regelwerk für Prostituierte besticht durch anatomische Präzision, was was kostet, ergänzt durch ein ausgetüfteltes Raum- Zeit-Diagramm und Grundgesetze der eingeschränkten Freizügigkeit, wie: „Sex ist überall erlaubt, nur nicht im Pool.“ – Keine Frage, so wirbt man polnische Wäschereimädchen an.

Für den Anwalt soll die Liste nichts als „überschießende Fürsorge“ gewesen sein: „Es war nur als reine Information gedacht. Es war mir wichtig zu zeigen, Achtung, es gibt heute die Möglichkeit, die Prostitution ohne die üblichen Nachteile auszuüben.“ – Verteidiger Philipp nickt wenigstens. „Die Idee mit der Sauna war nur einer von vielen Vorschlägen von ihm“, bemüht sich die polnische Geschäftsfrau. Damit rettet die Kronzeugin ihrem Anwalt am Ende doch noch einen Freispruch. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 02.02.2005)

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