Autocluster statt Red Bull

7. Februar 2005, 14:30
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Nach Spielberg-Flop: Die Steiermark setzt auf die Fahrzeugindustrie

Graz - "Rückwärtsblicken, vorwärtsschauen", so agiere sie derzeit, erklärte Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bei einem Pressegespräch mit ihrem Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer (beide VP) und Vertretern des Auto Clusters Styria (AC Styria), wie Magna International, der AVL List und TCM International am Dienstag. In die jüngere Vergangenheit blickt die steirische Regierung dabei weniger gern: Das Platzen des 700-Millionen-Deals mit Red Bull im steirischen Spielberg liegt nach wie vor zentnerschwer bei öffentlichen Auftritten auf den Schultern von Klasnic und Schöpfer.

Da blickte man am Dienstag gerne weiter zurück: Ins Jahr 1995, als die "Erfolgsgeschichte" des steirischen Autoclusters, der sich unter Schöpfers Vorgänger Herbert Paierl voll entfaltete, ihren Anfang nahm. Nun soll der AC Styria, eine Kooperation von 190 Partnerunternehmen aus der steirischen Automobilindustrie mit insgesamt 44.000 Mitarbeitern und etwa 6,8 Milliarden Euro Umsatz, mit nicht näher definierter Landesunterstützung "fit für die Zukunft" gemacht werden.

Südosteuropa-Cluster

Vor allem im Hinblick auf den immer größer werdenden Markt im Südosten Europas soll die Steiermark mit der "Strategie 2011" in den nächsten sechs Jahren in Sachen Forschung, Entwicklung und Qualifizierung zu einem "weltweit anerkannten Center of Excellence und einem intellektuellen Impulszentrum für Mobilität" werden, so Hubert Hödl, Vorstandsdirektor von Magna International.

Durch eine intensivere Nutzung von Synergien wolle man bei "Antriebssystemen, Kleinserien, Nischenprodukten und nötigen Testsystemen" erster Ansprechpartner werden. Eine "Automotive Academy" soll die Region als Ausbildungsstätte zudem international etablieren. Wer sich eine weitere Hochschule erhofft, liegt allerdings falsch: Die "Academy" ist eine "Vernetzung bereits bestehender Ausbildungsangebote", erklärt Hödl. Lehrstellen, aber auch Diplomarbeiten sollen verstärkt in den Partnerunternehmen möglich sein.

"Ars Electronica der Automativen Industrie"

"Eine Art Ars Electronica der Automativen Industrie" soll laut Josef Affenzeller, dem Forschungskoordinator der AVL List, mit der "AC Styria Zukunftswerkstatt" geschaffen werden, wo man über die Zukunft der Mobilität und ihre Folgen für die Industrie nachdenken will. Affenzeller baut außerdem auf die Entwicklung "intelligenter Sensorik und neuer Werkstoffe".

AC Styria-Geschäftsführer Uwe Galler sprach auch von einer Vernetzung des steirischen Autoclusters mit jenem Sloweniens. Diese könne der Beginn eines "Musterprojektes für grenzüberschreitende Regionalentwicklung" sein. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2005)

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