Fusion Walter Bau/Strabag bleibt Option

8. Februar 2005, 16:40
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Deutscher Bauriese stellte Insolvenzantrag - Österreich-Tochter Dywidag ist vorerst nicht betroffen und kann weiterarbeiten

Wien - Die drittgrößte deutsche Baugesellschaft, die in Augsburg beheimate Walter Bau, hat Dienstag Insolvenz angemeldet. Betroffen davon ist vorerst nur die Muttergesellschaft, die Walter Bau AG, nicht aber die operative Töchter, zu denen in Österreich die (profitable) Dywidag gehört.

Ihr Geschäftsführer, Herbert Berger, sagte zum STANDARD, für die laufenden Baustellen und die 250 Mitarbeiter ändere sich vorerst nichts. Er erwartet den zum Insolvenzverwalter bestellten Wirtschaftsprüfer Werner Schneider in der nächsten Woche in Wien, wo er sich über die finanzielle Lage der Österreich-Tochter informieren werde. Dywidag wird übrigens auch die Baustellen der Walter Bau in Wien (Verlängerung der Nordbrücke) übernehmen, und an ihrer weiterbauen, sagte Berger.

Bauholding-Strabag-Chef und Mehrheitseigentümer Hans-Peter Haselsteiner, der zuletzt als "Retter" von Walter Bau ins Spiel gebracht wurde, ließ über sein Sekretariat nur einen Satz verlautbaren: "Der Vorstand der Bauholding Strabag bedauert die Insolvenz von Walter Bau, insbesondere, dass es nicht gelungen ist, die angedachte industrielle Sanierung umzusetzen."

Theoretisch alle Möglichkeiten offen

Mit dem Insolvenzantrag sucht Walter Bau (Mehrheitseigentümer Ignaz Walter musste zu Wochenbeginn den Aufsichtsrat-Chefposten abgeben) zunächst Schutz vor den Forderungen seiner Gläubiger. Theoretisch sind noch alle Möglichkeiten von der Rettung bis zur Abwicklung offen. Der Insolvenzverwalter muss in den nächsten zwei Monaten ein Gutachten vorlegen, nachdem er die Bücher der Baufirma analysiert und die einzelnen Unternehmensteile bewertet hat. Dann wird feststehen, wie viel die ausstehenden Forderungen tatsächlich wert sind. Ähnlich wie bei Maculan werden aller Voraussicht nach einzelne Teile der Baufirma mit zuletzt drei Mrd. Euro Umsatz und knapp 10.000 Mitarbeitern verkauft werden, wobei als einziges Asset die profitable Bautechnik-Tochter DSI Dywidag Systems International gilt.

Schneider will aber auch die Gespräche mit der Kölner Strabag-Tochter über eine Zusammenführung der beiden Baukonzerne weiterführen. "Das ist sicher eine wichtige Option, die geprüft wird", sagte Schneider am Dienstag in Augsburg.

Nachforderungen

Ausschlaggebend für die Insolvenz war schließlich, dass einige Banken finanzielle Nachforderungen gestellt haben, die nicht erfüllt werden konnten. Bis dahin galt eine Verlängerung der lebenswichtigen Bürgschaften von 1,5 Mrd. Euro als sicher, eine Einigung auf eine Liquiditätsspritze von etwa 150 Mio. Euro stand aber noch aus.

Dass Walter Bau Probleme hatte, war bekannt, nur hat der Konzern die durch jahrelange Zukäufe von anderen Baufirmen verschleiert. Den Banken wurde suggeriert, dass es gemeinsam wieder besser wird; größere Probleme wurden so auf die lange Bank geschoben. Bei der zuletzt geplanten kompletten Übernahme von Züblin war dann Schluss, da verweigerten die Banken die Finanzierung und brachten den Stein ins Rollen.

Stoiber: Staatliche Hilfen sind "Holzweg"

Die deutschen Politiker haben von der Philipp-Holzmann-Pleite vor rund drei Jahren jedenfalls gelernt: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte, staatliche Hilfen zugunsten von Walter Bau seien ein "Holzweg". Er sehe für eine marktwirtschaftliche Lösung "gute Chancen", in dem die Gesellschaften der Walter Bau von anderen Unternehmen übernommen werden. Damit könne "ein wesentlicher Teil der Arbeitsplätze gesichert werden".

Bei 80.000 deutschen Baufirmen wird die Insolvenz von Walter Bau jedenfalls zu keiner Marktbereinigung führen. Bei Großprojekten rittern sogar noch EU-Mitbewerber um die Aufträge. (APA/Reuters/Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2005)

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