Mehr Jobs, aber wenig Lohn für Frauen

1. Februar 2005, 18:22
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Entgegengesetzter könnten die Meldungen nicht lauten ...

"Frauen sind die Gewinnerinnen am oberösterreichischen Arbeitsmarkt", so die eine. "Fraueneinkommen haben sich deutlich verschlechtert", so die andere. Was nun stimmt, hängt vom Standpunkt der BetrachterInnen ab.

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Linz – Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (VP) veröffentlichte am Dienstag die Daten zur Erwerbstätigkeit von Frauen in Oberösterreich. Laut Statistik Austria wurden im vorigen Jahr drei von vier der neu geschaffenen 8629 Arbeitsplätze mit Frauen besetzt. Mit einer Teilzeitquote von 40 Prozent liege Oberösterreich im Bundesländervergleich an der Spitze.

Zahlen, die für Sigl Anlass zur Freude sind. Zahlen, die für die Arbeiterkammer (AK) Grund zur Sorge bieten. Sagen sie doch nichts über die Qualität der Arbeitsplätze aus. Teilzeit hieße nicht selten geringer Verdienst und schlechte Arbeitsbedingungen. Je höher die Berufsqualifikation, umso weniger dieser atypischen Beschäftigungsverhältnisse existieren, ergab eine AK-Langzeituntersuchung für Oberösterreich. So lasse sich auch erklären, warum trotz Spitzenranking bei der Frauenerwerbstätigkeit sich die Einkommen in Oberösterreich aber seit 1999 massiv verschlechtert haben.

Weniger Verdienst

Der Bezirk Rohrbach etwa belegte 2003 bundesweit den letzten Platz. Durchschnittlich 19.866 Euro brutto (für Vollzeitarbeit) verdient dort eine Frau im Jahr. Der Jahresbruttobezug für Arbeitnehmerinnen betrug laut Statistik Austria im Bundesdurchschnitt 23.239 Euro. In fast allen Bezirken in Oberösterreichs sind die Fraueneinkommen in jenem Zeitraum zurückgegangen. Besonders verschlechtert habe sich die Situation in den Randbezirken, die von den Ballungszentren Linz, Wels und Steyr weit entfernt liegen.

Diese Entwicklung ist für die AK alarmierend, Frauen "als Gewinnerinnen am Arbeits markt" zu bezeichnen, wie dies Wirtschaftslandesrat Sigl getan hat, sei eher eine Hohn.

"Wir haben nur die Erwerbstätigkeit und nicht die Einkommenssituation von Frauen betrachtet, und da ist Oberösterreich führend", verteidigt Sigls Büro dessen Freudenmeldung. Die Nachfrage nach Teilzeitjobs sei groß. So gebe es mehr Arbeitssuchende als offene Stellen in Oberösterreich. "Das zeige, dass Frauen dieses Angebot gerne nützen", betont Sigl. Beruf und Familie ließen sich so vereinbaren. "Wir unterstützen Mütter und wollen ihnen die Chance zur Rückkehr in den Beruf geben", erklärt Sigl.

Kindergärten öffnen

Aus dem Grund verabschiedete das Land eine Gesetzesnovelle für eine Öffnung der Kindergärten für Zweijährige. Auch Volksschüler können ab Herbst 2005 nachmittags im Kindergarten betreut werden.

Aus Sicht der AK sei die Förderung von Teilzeit für Frauen die falsche Arbeitsmarktpolitik. Denn damit bilde sich ein Arbeitsmarkt heraus, der ausschließlich für Frauen reserviert sei. Teilzeit konzentriere sich auf typische Frauenberufe im Dienstleistungsgewerbe mit geringem Verdienst. Atypische und geringfügige Beschäftigung würden beispielsweise im Handel schon immer mehr zum "Dauerzustand".

Auf der Strecke blieben viele Frauen, da ihr Wunsch nach (vorrübergehender) Reduzierung der Arbeitszeit nur durch einen Berufswechsel erfüllbar sei, so die Schlussfolgerung aus der Langzeituntersuchung. Von 1980 bis 2001 hat die AK die Entwicklung der Teilzeit in Oberösterreich beobachtet und analysiert. (DER STANDARD, Printausgabe 02.02.2005)

Kerstin Scheller
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