Alles selber machen

11. Februar 2005, 17:06
17 Postings

Der Vorwurf, Jörg Haider leide an Cäsarenwahn, geht ins Leere - von Samo Kobenter

Wenn man jemand ist in der Politik, dann kämpft man dort genau so wie im richtigen Leben: Personal, beispielsweise, kriegst du heute ja kaum mehr ein anständiges. Die guten Leute - unverschämt teuer, und die anderen: kannst du gleich alles selber machen.

Ein Kärntner Landeshauptmann, um ein solches Beispiel zu nennen, hat heutzutage fast keine Auswahl, wenn er, sagen wir, einen neuen Finanzlandesrat braucht. Mit dem alten wär’s wohl noch gegangen, aber der ist dann plötzlich löchrig geworden und hat sich aufgelöst, politisch betrachtet. Martin Strutz wäre gern sein Nachfolger geworden, das hätte auch schön auf die Visitenkarte gepasst, FPÖ-Landesparteichef UND Landesrat, noch dazu ein wichtiger - Finanzen, Wirtschaft, Tourismus und so weiter. Jörg Haider dürfte sich seinen Strutz wohl angeschaut haben und auch, was ihm Karl Pfeifenberger hinterlassen hat, vielleicht ein wenig geseufzt und sich gesagt haben: Lieber alles selber machen, Finanzen, Wirtschaft, Tourismus und so weiter.

Es ist ein wenig kleinlich von der Opposition, dass sie dem Kärntner Landeshauptmann jetzt genau das vorwirft, und das auch schon gefallene Wort vom "Cäsarenwahn" ist ebenso böse wie falsch. Denn, Hand aufs Herz: Spart Jörg Haider auf diese Weise nicht mindestens ein bis zwei Landesräte ein? Dann: Abgesehen davon, dass solche Vorhaltungen sehr klein kariert daherkommen, ist es nicht so, dass Finanzen, Wirtschaft, Tourismus und so weiter immer schon ein einziges Referat waren? Der Gast lässt doch das Geld in der Wirtschaft!

Schließlich: Das mit dem Cäsarenwahn stimmt historisch nicht und rückt alle Beteiligten in ein falsches Licht. Denn Caligulas Strutz hieß Incitatus, war ein Pferd und brachte es nicht einmal zu seinem Stellvertreter, sondern bloß zum Senator. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2005)

Share if you care.