Was Sie schon immer über den Skisport wissen wollten

5. Februar 2005, 18:10
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User Frage: Wie kann man die Aussage Walchhofers verstehen, dass wegen der kaputten Kante an einem Ski auch der zweite Ski litt?

Antwort: Wenn ein Ski nur mehr beschränkt einsatzfähig ist, kommt es zu einem höheren Driftanteil auf dem anderen. Durch Driften werden die Kanten sehr rasch rund und bieten dadurch nicht mehr genug Grip für durchgängig geschnittene Kurven.

User-Frage: Der Begriff Innenskifehler taucht immer wieder in den Kommentaren bei Skirennen auf. Mir ist der Unterschied zwischen Bootout und Innenskifehler immer noch nicht klar. Kommt ein Innenskifehler wirklich durch „zu früh in die Kurve lehnen“ zustande?

Antwort: Klassische Innenskifehler resultier(t)en aus einer instabilen Fahrweise, einer Driftphase, wenn Läufer zu wenig Dynamik in den Kurvenverlauf bringen konnten. Häufige Ursache war schlechtes Timing also eine verpatzte Linienwahl. Die Konstruktions- und Bauweise der „alten“ Skis haben eine Korrektur, durch Verstärken des Aufkantwinkels am Innenski nicht erlaubt. Ingemar Stenmark war übrigens Meister der Innenlage - er stürzte allerdings kaum wegen dem "Innenskifehler".

Der Unterschied zwischen Innenskifehler und Bootout trennt den Fachkommentar vom Märchen, denn die immer wieder erzählte Geschichte vom „zu früh Hineinlegen“ entspringt nicht der Realität. Die fatalen Ausrutscher am Schuh wären durch entsprechende Vorkehrungen - schmälere Schuhe, breitere Ski, höhere Platten – durchaus zu vermeiden. Dadurch wäre eine Fahrweise möglich, die zu noch mehr Dynamik und schnellere Zeiten führen würde.

User-Frage: "Unser" Armin Assinger hat in seinem Kommentar zum Super G-Lauf der Herren in Bormio erklärt, dass man auf sehr harten Pisten in Speedbewerben breitere Kanten benötigt. Haben breitere Kanten mit besserem Griff zu tun?

Anwort: Armin Assinger hat sich geirrt. Den Kantengriff erzielt man nicht durch die Breite der Kante auf der Belagseite, sondern durch den Kantenwinkel. Die Breite der Kanten spielt in Bezug auf Gleitfähigkeit eine Rolle. Dort wo sie sehr wichtig ist greift man zu Skis mit schmäleren Kanten. In der Regel sind das Skis, die schon älter sind, da sich durch oftmaliges Schleifen, die Kantenbreite verringert. Im Rennlauf verwendet man weichere Kanten, als für den „Normalgebrauch“, für den die Kanten auf neuen Skis etwa 1,5 mm breit sind. Es gibt auch Extrabreiten bis 2,5 mm, beispielsweise für Twintips, die auf „Rails“ zum Einsatz kommen. Rennski werden oft mit weniger als 1 mm breiten Kanten gefahren, die Funktionsweise ist dadurch nicht gestört.

User-Frage: Kürzlich hat mir jemand aus meinem Bekanntenkreis erzählt, dass bereits Skipioniere vor hundert Jahren taillierte Skier verwendeten. Wann und warum sind sie verschwunden?

Antwort: Da im Breitensport bis vor wenigen Jahren ausschließlich Ski angeboten wurden, die praktisch keine Taillierung mehr hatten, glauben viele, die Taillierung der Ski sei eine neue Erfindung. Dies ist aber nicht der Fall. Die Taillierung und das Fahren auf den Kanten ist seit langem bekannt. Zdarsky hat die taillierten Ski der Norweger weiterentwickelt und gab für den Bau seines "Alpenski" bereits exakte Maße an. Damals wurden die Ski sogar an die individuellen Körpermaßen des jeweiligen Skiläufers genau angepasst.

Verschwunden sind die taillierten Ski mit der Erfindung des Kunststoffbelags. Die französische Skifirma Dynamik brachte als „Wunderwaffe“ bei den Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen in St. Moritz 1948 erstmals Skis mit Kunststoffbelägen in die Rennszene. Diese Skis waren wegen der Komplikationen beim Anbringen der Beläge auf taillierten Skiformen, mehr oder weniger parallelkantig. Die Vorteile des Belags überwogen damals die Vorteile der Taillierung, die so in der breiten Öffentlichkeit und der zunehmend industrialisierten Skiherstellung im Lauf der Zeit mehr und mehr in Vergessenheit geriet. (Nicola Werdenigg)

Sollten Sie Fragen rund um den Skisport haben, so schicken Sie diese ganz einfach an die derstandard.at-Sportredaktion. Wir werden uns gemeinsam mit Nicola Werdenigg bemühen, die richtigen Anworten zu finden.

Zum Nachschlagen, das Ski- und Schneelexikon DIXI von kunstpiste.com:

Sollten Sie Fragen rund um den Skisport haben, so schicken Sie diese ganz einfach an die derstandard.at-Sportredaktion. Wir werden uns gemeinsam mit Nicola Werdenigg bemühen, die richtigen Anworten zu finden.

Nicola in Kürze

On snow (seit 1958)
On skis (seit 1960)
Online (seit 1995) Redaktion für
kunstpiste.com

On top (Love & Family) Erwin + Kids - Max 18, Andy 16, Riki 14 Off duty (geniessen) Sommer am Wasser, Bücher, Bilder; Schauspiele, zuerst Kochen und dann Essen, oder nur gut Essen u.v.m

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