Kleinkrieg der Seitenblicker

22. Februar 2005, 14:06
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Verlagskonzern News bringt am 24. Februar ein eigenes Promiheft "Leute extra" heraus

Zufälle gibt’s: Der den Magazinmarkt beherrschende Verlagskonzern News bringt am 24. Februar ein eigenes Promiheft heraus. Exakt jenem Tag, ab dem das "Seitenblicke"-Magazin neu und vierzehntägig erscheinen wird.

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"Dass der große News-Verlag unsere Einschätzung des Marktes bestätigt, freut" Karl Abentheuer. Nicht ungetrübt, sagt der neue Geschäftsführer des "Seitenblicke-Magazins": "Andererseits dient das Objekt der News-Gruppe offenbar nur dazu, unseren Marktauftritt zu stören und die Leute zu verunsichern."

Das gelte umso mehr, als sein Magazin eine "Teaser"-Kampagne mit Prominamen begonnen hat. Die offenbart erst in einem zweiten Schritt, was da beworben wird.

"Leute extra" soll der Ableger von "News" heißen, der allerdings selbstständig verkauft wird. Untertitel: "Die Stars und Events des Jahres."

Wer "News" kennt, kann die Themen abschätzen. Ein Ranking der wichtigsten Österreicherinnen und Österreicher, diesmal gleich in fünf Kategorien: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Szene. Natürlich zeigt sich die Prominenz da "ganz privat". Und weil in der Nacht von 27. auf 28. die Oscars verliehen werden, drängt sich ein Schwerpunkt zum Thema auf. Dazu ein Event-Kalender für 2005.

Wer "News" kennt, kann auch die Vermarktung absehen. Naturgemäß als "perfektes Werbeumfeld für Ihr Unternehmen". Damit die versprochenen 150.000 Stück Auflage auch unter die Leute kommen, kosten geplante mehr als 100 Seiten einen Euro.

Das allein reicht dem Verlagsriesen noch nicht als Keule gegen den Herausforderer: Er will sein "Leute extra" zudem in TV, Radio, Magazinen, Tageszeitungen und nicht zuletzt per Postwurf an 2,8 Millionen österreichische Haushalte bewerben.

"Wir lassen uns davon nicht stören", demonstriert Abentheuer Gelassenheit. Im Hintergrund deutlich zu hören: Handwerker, Putztrupps und EDV-Experten, die den neuen Redaktionssitz des "Seitenblicke-Magazins" betriebsbereit machen sollen.

Ein Gutteil der Mannschaft kennt den News-Verlag gut: Abentheuer selbst war lange Jahre "News"-Ressortchef Wirtschaft, Chefredakteur Atha Athanasiadis führte dort die Chronik-Redaktion, Chefredakteur Andreas Wollinger leitete schon "Woman", Eva Bauer war Fotochefin bei "News", bevor sie als solche zu Abentheuer kam. Der News-Verlag indes holte von den Seitenblickern den bisherigen Anzeigenleiter.

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz hat das "Seitenblicke-Magazin" 2004 mit Partnern ganz von den FP-nahen Gründern um Walter Meischberger übernommen. Statt monatlich erscheint das Heft nun alle zwei Wochen. Das Magazin wurde komplett überarbeitet, soll jünger und noch weiblicher werden. Die Reichweite will Abentheuer auf 5,6 Prozent verdoppeln. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2005)

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    foto: photodisc
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