Chefredakteur Gerfried Sperl: Qualität gibt's auch ohne Papier

18. Februar 2005, 13:13
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Die strahlende Erfolgsgeschichte des 1988 gegründeten STANDARD hat längere Zeit eine zweite Medienrakete verdeckt: die Karriere von derStandard.at.

Am Anfang, 1995, wusste man nicht so genau, wohin das führen würde. Eine Onlinezeitung? Ein serielles Pamphlet im Internet? Oder überhaupt nur eine mediale Blase, eine Bubble?

derStandard.at war vor zehn Jahren die erste Onlinezeitung des deutschen Sprachraums. Trotz der ungewissen Zukunft wurde das Projekt von der Führung des Hauses durchgetragen. Und gehört heute auch international zu den bekanntesten und interessantesten Produkten: schnell, informativ, illu-innovativ und frech.

Was auch dem Print-STANDARD hilft, gegen Alterserscheinungen anzukämpfen. Und der wiederum führt vor, dass die unverbrüchlichen Kriterien des Qualitätsjournalismus immer neu erkämpft werden müssen.

So wie das Erlebnis der Möglichkeiten im Internet eine Ahnung davon vermittelt, was Unendlichkeit sein könnte, demonstriert eine Onlinezeitung, dass sie an kein Transportmittel gebunden ist. Zuerst waren es die herkömmlichen Bildschirme, dann die Laptops und Notebooks. Jetzt rennt das alles auch über iPAQ, Handys und andere Handhelds. Wer weiß, ob man dereinst nicht auch das Hardcover eines Buchs für den Internetempfang "scharf" machen kann?

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Printmedien müssen sich permanent mit der technischen "Machbarkeit" beim Druck auseinander setzen. Obwohl es mittlerweile Maschinen gibt, die auf kleinem Raum (leider) kleine Auflagen drucken. Das Onlinemedium hat die Fantasie auf seiner Seite.

Mein Traum? Zu derStandard.at ein STANDARD-TV, das sich ebenfalls via Internet öffnet, das die Nachrichten mit kurzen Filmen und Mikro-Chats unterfüttert, das Ganze im Viertelstundentakt wiederholt. Das ist nur eine der Varianten.

Eine andere: Online-Reality aus den Stadtbahnbögen. Eher bescheiden, nicht? Oder Gastro-Reportagen mit Riechvermittlung gegen Aufpreis? Ernsthaft? Vielleicht.

Ich bin sicher, den Leuten bei derStandard.at fällt vieles mehr und Spannenderes ein als dem Chefredakteur Druck. Das heißt aber auch: Ich wünsche zu diesem zehnjährigen Jubiläum nicht nur eine Zukunft mit Wachstum, sondern riesig attraktive Ideen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.02.2005)

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