Martin Strutz steigt auf

4. Februar 2005, 20:29
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Der Kärntner FP-Chef Martin Strutz folgt Finanzlandesrat Pfeifenberger und wird auch stellvertretender Landeshauptmann

Klagenfurt – Martin Strutz hat lange warten müssen. Denn Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider brauchte ihn für die politische Grobarbeit. Als Klubchef im Kärntner Landtag und als Parteiobmann. Mehrmals musste Strutz daher mitansehen, wie andere Günstlinge wie Karl-Heinz Grasser oder Mathias Reichhold von seinem Idol in hohe Regierungsfunktionen gehievt wurden. Jetzt hat es der 44-jährige Strutz, der ein wesentlicher Architekt der blau-roten Chianti-Koalition gewesen ist, selber geschafft.

Überraschende Rücktritte

Im Zuge der bisher größten Personalrochade der Freiheitlichen seit 1999 rückt Strutz jetzt zu Haiders erstem Stellvertreter in der Landesregierung auf. Er folgt damit Karl Pfeifenberger, der in der Vorwoche überraschend zurückgetreten war.

Seine Funktion als Klubobmann wird Kurt Scheuch, bekannt als "Reißwolf von Knittelfeld", übernehmen. Ihm folgt wiederum Josef Lobnik als Dritter Landtagspräsident nach. Mit Kurt hat Haider einen weiteres Mitglied der Scheuch-Familie an eine wichtige Machtposition gesetzt. Bruder Uwe hält die Stellung als FPÖ-Generalsekretär in Wien.

Und noch eine Überraschung wurde nach der Sitzung der FPÖ-Gremien präsentiert: Landtagspräsident Jörg Freunschlag, auch ein enger Haider-Vertrauter aus alten Kampftagen, wird nicht mehr die gesamte Legislaturperiode durchdienen, sondern sich vorzeitig in Pension verabschieden. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Auch die Zukunft Herbert Haupts wurde entschieden: Er übernimmt Sigisbert Dolinscheks Nationalratsmandat.

Im Schatten des Mentors

Martin Strutz bedankte sich bei Haider artig für seinen Karrieresprung in die zweithöchste Position der Landesregierung. Dass er dort allerdings nicht mehr als der Schatten seines Mentors sein wird, steckt der Allzeit-Getreue weg. Denn sämtliche Schlüsselressorts des Ämter-Multis Pfeifenberger – Finanzen, Wirtschaft und Tourismus – zieht Haider selbst an sich. Übrig bleiben für Strutz die Ressorts Bildung und Schulen sowie das Personalreferat. Möglicherweise wird er auch noch das Kindergartenreferat übernehmen. Kärntner FPÖ- Chef wird Strutz bis auf weiteres bleiben.

Der Kärntner Koalitionspartner SPÖ begrüßte die Regierungsumbildung. SP-Chef Peter Ambrozy überschlug sich geradezu vor Freundlichkeit: Strutz sei ein "Handschlagsqualitätspolitiker", ließ Ambrozy wissen.

Haider unter Druck

Die freiheitliche Personalrochade war notwendig geworden, weil Jörg Haider in den letzten Wochen wegen des Streits um das Klagenfurter EM-Fußball-Stadion, vor allem aber wegen des finanziellen Debakels um die Seebühne politisch massiv unter Druck geraten war. Die Seebühne, die hart an der Insolvenz vorbeigeschrammt ist, gilt den Oppositionsparteien längst schon als "Symbol für Haiders "Verschleuderungspolitik".

Mit dem Rückzug Pfeifenbergers hofft Haider, das Seebühnen-Problem gleich mitzuentsorgen. Denn Pfeifenberger soll offiziell erst Mitte Februar aus der Regierung ausscheiden und zuvor noch die endgültige Seebühnenbilanz vorlegen.

"Pfeifenberger geht, die Probleme bleiben", kommentieren denn auch ÖVP und Grüne den Wechsel in der Landesregierung. Nach dem Abgang Pfeifenbergers sei Kärnten nun "blank", meint VP-Chef Josef Martinz. Der Landessprecher der Grünen, Rolf Holub, unterstellt Haider schlicht "Cäsarenwahn". (DER STANDARD, Elisabeth Steiner, Printausgabe, 2.2.2005)

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    Der treue Haider-Gefolgsmann Martin Strutz wird nun mit dem Posten des stellvertretenden Landeshauptmanns belohnt.

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