Ein Fahrradbeauftragter

14. Februar 2005, 10:33
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Es war vor vier Wochen. K. verstand die Welt nicht mehr. Schließlich hatte alles so gut angefangen

Es war vor vier Wochen. K. verstand die Welt nicht mehr. Schließlich hatte alles so gut angefangen: K. betreibt nämlich eine kleine Werbe- und Pr-Agentur. Schwerpunkt: Direktwerbung. Also Zettel- und Goodieverteilung. Für studentische und ähnliche Lebensformen ist K. ein guter Nebenjobgeber. Dementsprechend bunt geht es in K.s Agentur auch meist zu.

Problem: Parkplätze

Aber K. hat ein Problem: Parkplätze. Nicht für Autos. Für Fahrräder: Seine Agentur hat K. nämlich in einem leerstehenden Geschäftslokal an einer stark befahrenen Straße eingerichtet. Und weil dahinter kein nutzbarer Innenhof liegt und davor nur zwei Verkehrszeichen, stehen vor K.s Laden mitunter bis zu 20 Fahrräder. Vor allem für Mütter mit Kinderwagen ist der Slalom zwischen Hundstrümmerln und Rädern da oft beschwerlich.

Fahrradständer

K. beschloss also, einen Fahrradständer vor seine Agentur zu stellen. Und zwar auf die Straße. Allein die Signalwirkung, sagte er, sei ihm Ablöse an die Stadt wert. Am Anfang ging alles glatt: Sogar die Verkehrsabteilung und die Wirtschaftskammer („von denen hätte ich das am wenigsten erwartet“) waren für den Radständer. K. freute sich.

Einer war dagegen

Den Radständer wird es trotzdem nicht geben: Einer war dagegen. Ein Bezirksrat: Der Radabstellplatz würde einen Parkplatz kosten ­– das sei nicht zumutbar. K. war überrascht. Nicht ob des Arguments, sonder ob des Vorbringers: Der Bezirksrat ist nämlich der Bezirks-Radverkehrsbeauftragte. Und brüstet sich, hauptamtlich als Lobbyist für das Rad als Verkehrsmittel im städtischen Raum tätig zu sein.

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