Internet-Plattform vermittelt behinderte Arbeitskräfte an Unternehmen

9. Februar 2005, 10:37
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Leitl fordert bessere Rahmenbedingungen und Wegfall des "prohibitiven Kündigungsschutzes" - WKÖ kooperiert bei Projekt "www.einstellungssache.at"

Eine neue Internetplattform - einstellungssache.at - widmet sich der Vermittlung behinderter Menschen an den heimischen Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft trage eine Verantwortung für Behinderte, erklärte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, bei der Präsentation des Projekts in Wien. Leitl will mit der neuen Sozialministerin Ursula Haubner (F) "in Kontakt treten", um mit ihr bessere Rahmenbedingungen für Behinderte am Arbeitsmarkt zu erreichen.

Wegfall des "prohibitiven Kündigungsschutzes"

Dazu würde laut Leitl auch ein Wegfall des "prohibitiven Kündigungsschutzes" beitragen, der lieber durch ein Mediationsverfahren ersetzt werden sollte. Zudem müssten mehr behindertengerechte Arbeitsplätze eingerichtet werden, die zu entrichtende Ausgleichstaxe könnte gesenkt werden bzw. ganz wegfallen, wenn ein Unternehmer trotz Suche keinen geeigneten Behinderten finde. Derzeit müssen Betriebe ab 25 Mitarbeitern, eine Ausgleichstaxe von 196 Euro zahlen, wenn sie nicht einen Behinderten beschäftigen. Leitl könnte sich auch Anreizzahlungen für Betriebe vorstellen, die Behinderte aufnehmen, ohne dazu verpflichtet zu sein. Mit der Ausgleichstaxe wird ein "Ausgleichstaxen-Fonds" gespeist, der mit 114 Mio. Euro derzeit "gut gefüllt" ist und Behinderten zu Gute kommt.

Bewusstseinserweiterung

Im Jahr 2004 sank die Zahl der Arbeit suchenden behinderten Menschen in Österreich von 33.500 auf 26.000, das bedeutet eine Reduktion um 7.500 Personen oder 22 Prozent. Konkrete Fortschritte wurden unter anderem durch eine verstärkte Zusammenarbeit der Wirtschaft mit dem Arbeitsmarktservice AMS und Sozialinstitutionen wie der Caritas erreicht. Leitl mahnte eine notwendige Bewusstseinserweiterung ein, etwa im Bereich einer integrativen Berufsausbildung. Zudem gehöre mit 3.700 Personen auch rund ein Prozent der österreichischen Manager der Gruppe der Behinderten an, das reiche "vom querschnittgelähmten Generaldirektor eines Weltkonzerns im Rollstuhl" bis zu Menschen mit schweren Depressionen.

Vermittlung

Grundsätzlich steht die Vermittlung durch "www.einstellungsache.at" jedem Behinderten offen, wobei der Begriff Behinderung breit gefasst ist. Unmittelbar nach Abschluss der Pilotphase sind derzeit 100 Personen in der Datenbank erfasst, bis zur Jahresmitte sollen es zwischen 3.000 und 5.000 sein. Vermittelt werden in erster Linie Niedriglohn-Jobs, was mit der Ausbildungssituation für Behinderte zusammenhänge. Von einer erfolgreichen Vermittlung profitierten schwer vermittelbare physisch oder psychisch behinderte Menschen, die neue Herausforderungen und neuen Sinn finden.

Unternehmen könnten von der Loyalität behinderter Menschen profitieren, sie ersparten sich die Zahlung der Ausgleichstaxe und könnten manchmal erst dadurch ihre Expansion vorantreiben, wie das Beispiel einer lauten Schlosserei zeige, in der gehörlose Menschen Arbeitsplätze gefunden haben, sagte Othmar Hill vom Institut für humanistisches Management, dem WKÖ-Partner beim Projekt "einstellungssache.at". Das Projekt erhält Förderungen vom Europäischen Sozialfonds sowie vom Bundessozialamt im Rahmen der Beschäftigungsoffensive der Bundesregierung.(apa)

Zu den Vorzeigebetrieben in Österreich, die bereits Behinderte aufgenommen haben, zählen die Fastfood-Kette McDonald's und Shell. Bei McDonald's durchschnittlich einen Behinderten in jedem der 160 Restaurants österreichweit, bei Shell bis zu 40 Mitarbeiter.

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