Schulreform: SPÖ gegen FPÖ, Lehrer gegen SPÖ

7. Februar 2005, 14:15
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SPÖ gegen Vermischung von Unterrichtsvorbereitung und Nachmittagsbetreuung, Lehrer-Gewerkschafter gegen komplettes Aus für Zwei-Drittel-Mehrheit

Kritik am neuerlichen Vorschlag von FPÖ-Bildungssprecherin Mares Rossmann, dass Lehrer einen Teil ihrer Unterrichtsvorbereitung am Nachmittag in der Schule erledigen und dabei die Kinder betreuen sollen, kommt von den Sozialdemokraten. Die FPÖ habe "keine Ahnung von Schule", meinte die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) in einer Aussendung am Dienstag. Die Schule dürfe nicht zu einer "Aufbewahrungsstätte für Kinder am Nachmittag werden", betonte SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl in einer Aussendung.

"Für jeden, der in den letzten Jahrzehnten eine Schule auch von innen gesehen hat, ist diese Idee völlig unrealistisch, suggeriert sie doch im Umkehrschluss, dass die Nachmittagsbetreuung unserer Kinder 'nebenbei' leistbar ist", so Brandsteidl in Richtung Rossmann. Das Konzept der ganztägigen Betreuung verlange Lehrer, die tatsächlich Zeit finden, sich mit den Schülern auseinander zu setzen - und dies vor allem "in der so dringend benötigten flächendeckenden Ganztagsschule". Wer glaube, dass dies so wenig arbeitsintensiv sei, dass man Lehrer überdies noch verpflichten müsse, den kommenden Unterricht gleichzeitig vorzubereiten, unterliege einem massiven Irrtum. Der Unterschied zwischen der von der SPÖ geforderten ganztägigen schulischen Betreuung und dem FPÖ-Vorschlag entspreche jenem "zwischen einer kindgerechten Schule und den Aufgaben einer Wach- und Schließgesellschaft". Kuntzl wiederum forderte einen Konsens mit den Lehrern.

Diese wiederum haben keine Freude mit dem SPÖ-Vorschlag einer kompletten Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze. Eine Aufhebung dieser Erfordernis wäre zwar im manchen Bereichen notwendig, ein generelles Aus aber "extrem überzogen", betonte die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik in einer Aussendung. "Sinn der verfassungsrechtlichen Absicherung der Schulgesetze ist es, unser Bildungssystem aus dem tagespolitischen Hick-Hack herauszuhalten", so Scholik. Dadurch könne auch bei einem Regierungswechsel die Kontinuität gewahrt werden.

Die Sportunion wiederum fordert im Falle der Einführung der Ganztagsschule mehr Bewegungserziehung an den Schulen. Außerdem müsse es dann verbindliche Regelungen für eine tägliche Bewegungszeit der Schüler geben. (APA)

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