Peter Noever und der Dienst an der Kunst

1. Februar 2005, 20:51
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MAK-Direktor: "Kunst nach den Prinzipien der Gewinnmaximierung und nach dem Massengeschmack ist und war für uns kein Weg"

Wien - "... und die Kunst?" nannte Peter Noever, Direktor des Wiener MAK, seine Jahrespressekonferenz, bei der er seine "Vision kontra Stagnation" vorstellte. "Heute laufen Kunst- und Kulturinstitutionen Gefahr, den Dienst an der Kunst aus den Augen zu verlieren", sagte Noever, "Kunst nach den Prinzipien der Gewinnmaximierung und nach dem Massengeschmack ist und war für uns kein Weg." Das MAK habe sich "durch seine Visionen profiliert" und werde den eingeschlagenen Weg fortsetzen: Unter dem Begriff "Factory Presentation" wurde eine neue Ausstellungsform entwickelt, bei der statt großen Werkschauen aktuelle Werkblöcke gezeigt werden sollen.

Dem MAK stünde heuer beim Ausstellungsbudget mit einer Million Euro um 0,5 Mio. weniger als im Vorjahr zur Verfügung, meinte Noever. "Dennoch ist es uns wieder gelungen, ein sehr komplexes und vielschichtiges Programm mit insgesamt 35 Ausstellungen zusammenzustellen, mit einem klaren Bekenntnis zur Auseinandersetzung mit der Kunst." Die Basisabgeltung des Bundes betrage seit der Ausgliederung unverändert 7,9 Mio. Euro, weitere 2,0 Mio. Euro würden von privater Seite aufgebracht. Die Personalkosten betragen laut Noever derzeit 46 Prozent. "Diese Budgetsituation geht zu Lasten des Ausstellungsbudgets, und ein Ankaufsbudget ist gar nicht mehr vorhanden. Das ist eine sehr alarmierende und überaus triste Situation."

"Factory Presentations"

Den Auftakt der neuen "Factory Presentations" bildet eine Schau des niederländischen Atelier Van Lieshout, bei der ab 22. Juni in der MAK-Ausstellungshalle die beiden Werkblöcke "Der Disziplinator" und "Der Technokrat" gezeigt werden. Als weiteren Höhepunkt nannte Noever die Ausstellung "Ukiyo-e Reloaded", bei der 600 Arbeiten aus der bedeutenden Sammlung Japanischer Farbholzschnitte aus dem MAK gezeigt werden.

Eine 16-seitige, eben erschienene Zeitung gibt einen Überblick über die weiteren Vorhaben des Jahres, die von zahlreichen kleineren Ausstellungen in der MAK-Galerie (etwa zu Lebbeus Woods und Alexander Rodtschenko), im Kunstblättersaal, in den Studiensammlungen und im MAK Center Los Angeles bis hin zu Vorträgen reichen. Anlässlich des Staatsvertrags-Jubiläums erarbeiten zehn Künstler im Rahmen der zehnteiligen MAK NITE-Reihe "Zustandsanalysen" künstlerische Statements zu einzelnen Zeilen oder Artikeln des Staatsvertrags.

Forschung und Sammlung

Für Noever ist auch der wissenschaftliche Auftrag wichtig, deshalb verwies er auf ein Forschungsprojekt zu Gottfried Sempers Manuskript "Das ideale Museum für Metallotechnik". Die "konsequente Pflege und Erweiterung der Sammlung" hält er "für einen wesentlichen Auftrag unseres Hauses". "Wenn es um Kunst geht, geht es immer auch um Innovation", sagte er und propagierte sein Projekt eines Contemporary Art Tower (CAT) im Flakturm Arenbergpark, wo er in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren unter den Blicken der Öffentlichkeit eine neue Sammlung entstehen lassen möchte. "Wir wollen kein glanzvolles, inhaltsleeres Museum sein, sondern ein Ort zur Weiterentwicklung der Kunst."

Thema Museen

Die "Debatte über neue Museumskonzepte" hält Noever für "sehr kurzsichtig und überaus zynisch": "Die Zusammenlegung von Sammlungsbeständen hat nichts mit Kunst zu tun und kann mit der Neuordnung der Verstaatlichten Industrie verglichen werden." Sein Rat an Politiker: "Jeder Schuster sollte bei seinem Leisten bleiben." Es könne nicht darum gehen, "dass die einzelnen Häuser in einen künstlichen Wettbewerb treten und die Kunst dabei auf der Strecke bleibt."

Von der angekündigten Evaluierungsstudie der Bundesmuseen erwartet sich Noever nicht allzu viel: "Für meine Begriffe ist das wie in der Schule: Man kann darüber lachen, reden, diskutieren." Welche Note erwartet er sich denn? Noever lacht : "Ich habe seinerzeit nie einen Einser gehabt. Also möchte ich auf meine alten Tage auch nicht damit beginnen." (APA)

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