Neuer Influenza-Impfstoff aus Österreich

9. Februar 2005, 00:49
posten

Antigen-Komponente aus Zellkulturen - Große Menge herstellbar - Impfstoff binnen neun Wochen verfügbar - Mit Infografik

Wien - Mit zunehmender Besorgnis reagieren Experten auf die Nachrichten über die Vogelgrippe aus Südostasien. Weltweit erstellen nationale Expertenteams Pandemie-Pläne für den Fall, dass es zu einer Influenza-Epidemie durch einen neuen Virusstamm kommt. Kernpunkt wäre auch die möglichst schnelle Produktion eines Impfstoffes. Hier soll eine Entwicklung von Baxter in Österreich im Fall des Falles die Krise entschärfen helfen. "Wir können in Zellkulturen einen neuen Influenza-Impfstoff schneller und in größerer Menge herstellen", erklärte jetzt Dr. Otfried Kistner, bei dem Konzern für die Influenza-Vakzine zuständiger Leiter der virologischen Impfstoff-Entwicklung, gegenüber der APA.

Menschen per Impfung gegen die Influenza zu schützen, ist im Prinzip eine alte Idee. "Die Herstellung von Influenza-Vakzinen in der bisherigen Form ist eine alte Technik. Sie stammt aus den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Man infiziert bebrütete Hühnereier. Für eine Impfstoffdosis benötigt man ein bis zwei Eier. Bei derzeit rund 280 Millionen Dosen Influenza-Vakzine pro Jahr sind das mehr als 300 Millionen Eier, die man braucht", sagte Kistner.

Baxter (in Österreich über den Kauf der Immuno AG verankert) war mit seinem Forschungszentrum in Orth/Donau in den achtziger und neunziger Jahren in mehrere Impfstoffprojekte involviert, so wurden Kandidat-Vakzine gegen Aids und Hepatitis A und B entwickelt. Als dem Unternehmen eine Produktionsanlage auf Hühnereier-Basis angeboten wurde, war man über die veraltete Technologie überrascht. "Das müssten wir doch auf moderner Biotechnologie-Basis auch können", hieß es.

Antigen-Komponente aus Zellkulturen

Kistner: "Wir entwickelten eine Produktionstechnik auf der Basis von Vero-Zellen (einer im Labor wachsenden Zell-Linie, Anm.) in Gewebekulturen. 1995 empfahl die Weltgesundheitsorganisation WHO Zellkulturen für die Herstellung von Influenza-Impfstoffen. Die Produktion von Impfstoffen über Vero-Zellen hat sich bei Polio (Kinderlähmung, Anm.) und Tollwut schon millionenfach bewährt."

Die größten Vorteile: Es müssen nicht hunderte Millionen Hühnereier bereitgestellt werden, die einzeln beimpft und aus denen dann einzeln die Proteine herausgeholt werden müssen. Eine besonders aufwändige Reinigung, Zentrifugierung und Filtration, um Hühnerei-Proteine weg zu bekommen, entfällt. Die Hühnereier sind auch für andere Krankheitserreger kontaminationsanfällig. Bei der Anfälligkeit der Geflügelbestände für Hühnergrippe muss der Nachschub nicht immer gewährleistet sein.

Impfstoff binnen neun Wochen

Im Falle einer Influenza-Pandemie durch einen neuen Erreger - die "Spanische Grippe" forderte 1918/1919 rund 40 Millionen Todesopfer - soll die neue Technik vor allem zwei Vorteile bieten: größere Schnelligkeit bei der Herstellung eines monovalenten, also nur gegen die neuen Viren wirkenden Impfstoffs und im Grunde die Produktion in unbegrenzten Mengen.

Sobald die Weltgesundheitsorganisation das "Rezept" für das Vakzin freigäbe und mit an die Impfstoffproduzenten weltweit verteilten Saat-Kulturen die Infektion der Zellkulturen beginnen könnte, wäre binnen neun Wochen mit dem Impfstoff zu rechnen. Kistner: "Das ist eine deutliche Verkürzung gegenüber der Herstellung in Hühnereiern, weil dafür die Influenza-Viren auch noch für die Züchtung in den Eiern adaptiert (abgeschwächt oder "attenuiert") werden müssen." (APA/Red)

Hintergrund

Die Angst vor neuen Influenza-Viren
Hoch pathogene H5N1-Vogelgrippe-Erreger als Ausgangspunkt

Links

Baxter Österreich

World Health Organisation - Influenza

  • Artikelbild
    der standard
Share if you care.