Fernsehen setzt auf Unterhaltung

7. Februar 2005, 12:59
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Studie: Boulevard und Lebenswelt-Themen im deutschen TV weiter auf dem Vormarsch

Die Vollprogramme im deutschen Fernsehen, insbesondere der privaten Sender, setzen einer Studie zufolge immer mehr auf Unterhaltung. Aktuelle politische, gesellschaftsbezogene Berichterstattung lasse zu Gunsten massenwirksamer Unterhaltung bei Privaten nach. Die Landesmedienanstalten, Auftraggeber der Analyse "Fernsehen in Deutschland 2003 - 2004", sehen indes in der Entwicklung noch keine ernsthafte Bedrohung für den Programmauftrag der Sender.

"Der in unserer Untersuchung festgestellte Trend zu immer mehr Unterhaltungsformaten wird sicher nicht der Untergang des Abendlandes sein", sagte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Wolfgang Thaenert, am Dienstag in Düsseldorf. Positiv sei der Trend aber auch nicht, meinte er und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Programmmacher und an die Gesetzgeber, Informationsanteile festzuschreiben.

"Stars und Sternchen" und "Sex and Crime"

Der Programmstudie zufolge bilden für einige Sender vor allem Berichte über "Stars und Sternchen" und "Sex and Crime" den Schwerpunkt der journalistischen Berichterstattung. Allgemein im Trend sind auch mehr kurzfristige Wiederholungen, mehr Serien und eine Annäherung der Programme, ausgenommen bei harter politischer und gesellschaftlicher Berichterstattung, einer Domäne von ARD und ZDF.

Bei der Fernsehpublizistik, den Programmsparten mit Berichterstattungscharakter, erlebten vor allem Reportagen zu privaten Lebenswelt- und Sachthemen einen Boom, sagte der Autor der Studie, Joachim Trebbe, von der GöfaK Medienforschung. Allgemein werde dieser Programmtyp bei RTL und Sat.1 mit Themen aus den Bereichen Human Touch, Boulevard, Unfälle und Kriminalität gefüllt. Etwa fünf Stunden täglich könne sich der Zuschauer über Stars, Verbrechen oder Einzelschicksale auf dem Laufenden halten. Bei ARD und ZDF mache die Sendezeit für unterhaltungs-publizistische Themen nur halb so viel aus. Bei Unterhaltungsfilmen und -serien halten die Öffentlich-Rechtlichen aber mit den Privaten mit. (APA)

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