Deutsches Erstliga-Spiel unter Verdacht

7. Februar 2005, 14:08
32 Postings

Der Betrugsskandal zieht immer weitere Kreise - Partie Kaiserslautern gegen Freiburg soll manipuliert worden sein - Neun Spieler, drei Referees beschuldigt

Hamburg - Der Betrugsskandal in der deutschen Bundesliga weitet sich aus. Schiedsrichter Robert Hoyzer soll laut Information der "Bild"-Zeitung der Berliner Staatsanwaltschaft Namen von neun Spielern, drei Schiedsrichtern und einem Funktionär genannt haben, die in den Wettskandal verwickelt seien. Demnach beschuldigt Hoyzer die Dresdner Ignac Kresic und Torsten Bittermann, die Paderborner Thijs Waterink, der gestern zugab, vor dem Pokalspiel gegen den HSV 10.000 Euro Siegprämie erhalten zu haben, Alexander Löbe und Georgi Donkov, die Chemnitzer Steffen Karl und Markus Ahlf, die Cottbuser Tomislav Piplica und Laurentiu-Aurelian Reghecampf (mittlerweile Aachen), die Unparteiischen Jürgen Jansen, Dominik Marks und Felix Zwayer sowie den Dresdner Schiedsrichter-Obmann Wieland Ziller. Alle Verdächtigten haben jedoch ihre Unschuld beteuert und auch großteils eidesstattliche Erklärungen abgegeben.

Kaiserslautern versus Freiburg

So auch Schiedsrichter Jansen, der, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, laut Hoyzers Aussage dazu beigetragen haben soll, dass die Bundesliga-Partie vom 27. November 2004 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Freiburg (3:0) so endete, wie von einem der drei am Wochenende in Berlin festgenommenen Glücksspieler gewünscht. In der Partie fielen zwei umstrittene Tore für Kaiserslautern. Vor beiden Treffern soll Jansen Fouls von FCK-Stürmer Carsten Jancker nicht geahndet haben.

Referee Jansen dementiert

Jansen bestritt dies per eidesstattlicher Erklärung. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich unter Verletzung des Regelwerks Einfluss auf einen möglichen Spielausgang genommen. Zu keinem Zeitpunkt habe ich für meine Dienste als Schiedsrichter Vorteile für mich oder einen Dritten gefordert, mir versprechen lassen oder angenommen", lässt Versicherungsfachwirt Jansen, 44, über seinen Anwalt mitteilen. Der Essener war vorgestern vom DFB kurzfristig als Referee der Begegnung zwischen Werder Bremen und Hansa Rostock abgesetzt worden. Dies sei zu Jansens eigenem Schutz geschehen, teilte der Verband mit.

15.000 Euro für Dresdner Teamkasse

Gestern Abend bestätigte Dynamo Dresdens Ersatztorhüter Kresic, dass seine Mannschaft am 18. Juni 2003 für den 3:2-Erfolg im Regionalligaspiel über Preußen Münster von einem unbekannten Dritten eine Zahlung in Höhe von 15.000 Euro erhalten habe. Das Geld sei in die Mannschaftskasse eingezahlt worden.

Zusätzliche Motivation

Wie die "Sächsische Zeitung" unter Berufung auf Vereinskreise heute schreibt, stammt die Summe von jenem in Berlin festgenommenen mutmaßlichen Wettbetrüger. Laut Manager Siegmar Menz ist das Geld als zusätzliche Motivation betrachtet worden. Bestritten werde, dass durch diese "Siegprämie" unerlaubt Einfluss auf das Spiel genommen wurde.

DFB setzt Sonderkommission ein

Mittlerweile selbst mächtig unter Druck, setzte der DFB gestern eine "Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen" ein. Das sechsköpfige Gremium, dem DFB-Justiziar Goetz Eilers, der Projektmanager Jörg Englisch, Wilfried Straub von der DFL, Robert Weise vom DFB-Kontrollausschuss, Hellmut Krug vom Schiedsrichterausschuss und Pressesprecher Harald Stenger angehören, nahm bereits seine Arbeit auf.

Koordination und Kontrolle

Die Aufgabe der Kommission besteht nach DFB-Angaben unter anderem darin, die zahlreichen Anfragen, die auf Grund der aktuellen Entwicklung nach dem Geständnis des Berliner Schiedsrichters Robert Hoyzer entstanden sind, zu koordinieren und die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses zu unterstützen.

Vor allem wird sich die Kommission wohl auch mit dem Kontakt zu den Behörden beschäftigen. Zwar bekommen die DFB-Leute wegen der noch laufenden Ermittlungen keine vollständige Akteneinssicht, doch die Justiz-Fahnder informieren die Sportmanager, soweit es geht, über den aktuellen Stand der Recherchen. Am Wochenende hatte der DFB-Chef wiederholt eine komplette Akteneinsicht - vor allem in die Vernehmungsprotokolle von Hoyzer - gefordert und die Staatsanwaltschaft indirekt kritisiert.

Beschränkte Akteneinsicht

Beteiligte Fahnder wiesen darauf hin, dass eine vollständige Akteneinsicht zu diesem Zeitpunkt völlig unüblich sei. Dies würde nicht einmal den beteiligten Anwälten gewährt, um die weiteren Recherchen bei den von Hoyzer genannten Verdächtigen nicht zu gefährden. Demzufolge erhielten die Anwälte der festgenommenen Verdächtigen ebenfalls nur Auszüge, in denen die Namen teilweise geschwärzt seien.

DFB in der Kritik

Unabhängig von der Einsetzung der Sonderkommission hat sich DFB-Präsident Theo Zwanziger gegen die Kritik gewehrt, der DFB sei früheren Hinweisen auf einen Manipulationsverdacht im Pokalsspiel zwischen Paderborn und dem Hamburger SV nicht entschieden genug nachgegangen. Im Kern geht es um die Tatache, dass der DFB schon im August von den Wettbetreibern detaillierte Hinweise auf die möglichen Manipulationen erhalten hatte. Bei den Warnungen wurde auch der Name Robert Hoyzer explizit erwähnt.

Zwanziger wies die Kritik trotzdem zurück. "Nach Bekanntwerden der ersten konkreten Zeugenaussagen auf von Robert Hoyzer manipulierte Spiele haben wir effizient gearbeitet, und auch im Blick auf neue Verdachtsmomente gegen Schiedsrichter oder Spieler werden wir alles tun, um die Vorwürfe schnellstens zu überprüfen und lückenlos aufzuklären", gab er an. (red)

Share if you care.