Meinungsforscher: "FPÖ kann sich derzeit keine Neuwahlen leisten"

1. Februar 2005, 20:31
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Risiko bei vorzeitigem Urnengang wäre für Freiheitliche am größten - ÖVP und SPÖ in Umfragen derzeit Kopf an Kopf

Wien - Für die FPÖ wären vorgezogene Neuwahlen derzeit äußerst riskant. "Die FPÖ kann sich derzeit überhaupt keine Neuwahlen leisten", sagt Werner Beutelmeyer vom market-Institut. Auch Peter Hajek von OGM geht davon aus, dass die Ausgangslage für die FPÖ momentan am ungünstigsten wäre. Welche der beiden großen Parteien von einem vorzeitigen Wahlgang profitieren würde, das trauen sich die beiden Meinungsforscher derzeit allerdings nicht vorherzusagen.

ÖVP und SPÖ gleichauf

Beutelmeyer verweist auf die jüngsten Umfragedaten des market-Instituts: Demnach liegen SPÖ und ÖVP in der Sonntagsfrage derzeit "Kopf an Kopf" - die Sozialdemokraten bei 40 bis 41 Prozent, die Volkspartei bei 38 bis 39 Prozent. Beutelmeyer: "Das ist statistisch nicht differenzierbar. Die SPÖ liegt tendenziell, aber nicht signifikant vorne." Die Grünen liegen demnach bei 13 Prozent, die FPÖ "eher bei sieben als bei acht Prozent".

ÖVP verringert Abstand

Beutelmeyers Fazit: "Für die ÖVP schaut es gut aus, der Abstand war schon einmal größer." Weit schlechter sieht der market-Chef die Chancen für den kleinen Koalitionspartner, sollte es tatsächlich zu vorgezogenen Neuwahlen kommen: "Aus Sicht der FPÖ wäre das ein ungeheures Abenteuer. Die FPÖ kommt aus dem Tal nicht heraus. Wer immer das anstrengt, die FPÖ sollte es nicht sein."

Auch Hajek verweist darauf, dass die SPÖ in den Umfragen zwar schon seit Monaten vor der ÖVP liegt. "Das sagt aber grundsätzlich wenig darüber aus, wenn es wirklich zu einem Wahlkampf kommen sollte. Wenn es wirklich zu einem Koalitionsbruch käme, dann würde eine ganz eigene Dynamik entstehen." Die entscheidende Frage wäre aus Sicht des OGM-Meinungsforschers, welche Partei den Schwarzen Peter für den Koalitionsbruch zugeschoben bekäme: "Diese Partei wird dann eher nicht so gut abschneiden."

"Schwarzer Peter"

"Es ist nahezu immer so, dass die Partei, die die Koalition aufkündigt, den Schwarzen Peter bekommt - außer sie hat einen triftigen Grund, wie Wolfgang Schüssel 2002", sagt Hajek. Als Negativbeispiel verweist er auf die von Schüssel 1995 vom Zaun gebrochene Neuwahl, aus der die SPÖ als Sieger hervorgehen konnte. Hajek warnt vor einer "Mystifizierung" der strategischen Fähigkeiten der ÖVP und glaubt nicht an Neuwahlen: "Wenn es die ÖVP so auflegen kann, dass nicht sie Schuld am Koalitionsbruch ist, dann wäre es eine Denkvariante. Aber ich halte das für sehr unwahrscheinlich." (APA)

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