Das Handy geht mit ins Grab

9. Februar 2005, 10:27
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Angehörige finden Trost im Anruf unter der Erde

Telefonieren mit den Toten: Die Geschäftsidee klingt absurd, doch der Tüftler Jürgen Bröther aus Osnabrück hat bereits drei Exemplare seiner Erfindung verkauft - zum Preis von je 1.500 Euro. Und, so sagt er, es gibt schon weitere Interessenten. Bröther vertreibt Handys mit extrem langlebigen Batterien und einem kleinen Lautsprecher. Die Geräte stecken in einem Paket, etwa so groß wie eine Schuhschachtel, das im Grab 30 Zentimeter tief unter der Erde untergebracht wird. Das Angebot richtet sich an Hinterbliebene, die sich Hilfe bei der Bewältigung ihrer Trauer versprechen.

Call the Dead

"Menschen, die krank sind, keine Zeit haben oder zu weit entfernt wohnen, um ihre Verstorbenen am Grab zu besuchen, können jetzt anrufen", sagte Bröther, der sein Gerät genannt hat. Die Idee kam ihm, weil er mit seiner verstorbenen Mutter lieber unbeobachtet reden wollte, statt auf den Friedhof zu gehen. Außerdem könne er ihr nun auch einmal spontan etwas sagen, ohne sich eigens auf den Weg zu machen. Zwei Jahre lang hat der Osnabrücker gemeinsam mit einem befreundeten Elektrotechniker an seiner Erfindung getüftelt. Jetzt ist die Technik patentiert, der Name markengeschützt.

Das Problem waren die Akkus

"Das Problem waren vor allem die Akkus", sagt Bröther. Denn der "Telefon-Engel" ist technisch zwar nichts anderes als ein Mobiltelefon. Um seinen Zweck zu erfüllen, wird er jedoch fest installiert: Direkt auf dem Grab in der Erde. Einmal "eingearbeitet", wie Bröther sagt, lässt sich das Telefon dann nicht mehr ohne Schaufel erreichen. Also musste ein Akku her, der lange hält.

Mehrere handelsübliche Akkus einfach hintereinander zu schalten, hätte dafür nicht ausgereicht, sagt der Erfinder. Doch Bröther und sein Elektrotechniker fanden eine Lösung. Heraus kam der wahrscheinlich stärkste Handy-Akku der Welt. Mindestgesprächsdauer: 200 Stunden, die Stand-by-Zeit ist ein Jahr.

"Telefonengel"

Allerdings macht der Akku den "Telefon-Engel" auch zum wahrscheinlich größten Handy der Welt. 21 mal zwölf mal neun Zentimeter misst der wasserdichte Kasten. Die Verbindung kommt sofort zu Stande, Bröther aktiviert die automatische Rufannahme, eine gängige Funktion an jedem neueren Handy. Der "Telefon-Engel" klingelt also nicht, er nimmt selbst sofort ab.

Dass das Gerät einfach im Grab liegen bleibt, wenn es einmal nicht mehr gebraucht wird, wäre allerdings nicht im Sinne des Erfinders. Als Anreiz erstattet Bröther darum jedem Käufer 50 Euro, der den "Telefon-Engel" nach der Trauerzeit zurückschickt.(APA/AP)

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