Der Kapitän und das sinkende Schiff

1. Februar 2005, 13:52
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Im deutschen Wett-Skandal gerät nun auch der HSV in Schwierigkeiten - Für den DFB ist Hoyzer der "seriöseste" Informant

Berlin - Der deutsche Fußball-Regionalligist SC Paderborn hat mögliche Kontakte seines Kapitäns Thijs Waterink zur kroatischen Wett-Mafia bestätigt. Klubpräsident Wilfried Finke nahm zudem den Hamburger SV ins Visier und forderte die Ausweitung der Untersuchungen auf den Gegner des durch Schiedsrichter Robert Hoyzer manipulierten Pokalspiels. Die ebenfalls unter Verdacht geratenen Klubs Dynamo Dresden und Chemnitzer FC bestritten vehement jede Verstrickung.

Belastete Schiedsrichter beteuern Unschuld

Auch der von Hoyzer offenbar belastete Referee Felix Zwayer beteuerte wie schon am Vortag Jürgen Jansen seine Unschuld. Der Essener Jansen war am Sonntag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kurzfristig von der Partie Bremen gegen Rostock abgesetzt worden. Jansen gab indes eine eidesstattliche Erklärung ab.

Der DFB wartete am Montag weiter auf die Übergabe der "Akte Hoyzer" durch die Berliner Staatsanwaltschaft. Der geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger beklagte die schleppenden Ermittlungen: "In diesem kriminellen Milieu gibt es natürlich auch unseriöse Informanten. So komisch das klingt, der für mich momentan am seriösesten erscheinende Informant ist der Herr Hoyzer."

Im Mittelpunkt des Interesses stand zu Beginn der zweiten Woche im Bestechungsskandal die Pressekonferenz des SC Paderborn, die 80 Journalisten und ein Dutzend Kamerateams verfolgten. Neben der Bestätigung, dass Waterink unmittelbar vor dem umstrittenen Pokal-Spiel gegen den Hamburger SV am 21. August 2004 (4:2) von einem "ihm unbekannten, südländisch anmutenden Mitbürger" 10.000 Euro erhalten habe, sorgte SCP-Präsident Wilfried Finke besonders mit seiner Forderung nach Ermittlungen gegen den HSV für Aufsehen. "Die in diesem Zuge gezahlten 10.000 Euro können doch nur die Spitze des Eisberges sein. Um eine Wette sicher zu machen, brauche ich sicher drei Parteien: Sieger, Verlierer und Schiedsrichter."

Der HSV reagierte erbost: "Das ist eine glatte Unverschämtheit", meinte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann und kündigte an, dass "wir mit allen Mitteln gegen diese Behauptungen vorgehen". Waterink hatte nach Aussage von Finke das Geld mit dem Hinweis erhalten, dass er dieses im Falle eines Sieges gegen den HSV behalten könne. Das Geld wurde aufgeteilt, jeder Spieler kassierte 500 Euro. Waterink selbst ist vom Verein freigestellt, allerdings nicht gekündigt worden. Der Niederländer sei bereit, bei der Aufklärung des Sachverhalts zu helfen.

Untergetaucht

Waterink ist aus Gründen der persönlichen Sicherheit untergetaucht, "Kronzeuge Hoyzer" wird in einem Hotel im Ruhrgebiet abgeschottet. Vertreter der Klubs aus Dresden und Chemnitz beteuerten derweil ihre Unschuld. Ignjac Kresic, bis zur Winterpause einziger kroatischer Spieler bei Dynamo Dresden: "Das ist klar. Die Wett-Mafia sind Kroaten - und deshalb ist jeder Kroate verdächtig." (sid, red)

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