Landkarten für die Genfood-Debatte

7. Februar 2005, 15:56
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Als ersten Vorgeschmack auf ihre Tätigkeit ab 2006 präsentierte die Galerie der Forschung Methoden, wie man Kontroversen "kartografieren" kann: Eine Ortsbegehung zwischen Power Point und Info-Füllhörnern

Wien - Nur ein paar Stunden lang wurde die Baustelle zwischen Wollzeile und Bäckerstraße für die Besichtigung einer Installation freigegeben. Wo die Galerie der Forschung im Herbst 2006 eröffnen wird, im großen Saal der Alten Universität, zeigte sie am Montag einen ersten Vorgeschmack auf ihr Programm, "a tryout", wie Direktorin Albena Yaneva definierte: "Es geht um Methoden, wie man Wissenschaft vermittelt - an einem ersten Beispiel: wie man die Debatte um gentechnisch modifizierte Lebensmittel mit kartografischen Mitteln darstellen kann."

"Mapping Controversies" sollte die Forschernetzwerke, die politischen und sozialen Aspekte des Themas visualisieren. Networking zu erforschen ist nicht neu, neu sind unter Umständen die avancierten Computermethoden oder die speziellen Gebiete der Vernetzung.

Richard Rogers (Cornell und Amsterdam), einer der vier eingeladenen Präsentatoren, untersuchte, wer in Holland sich im Web bei Gen-Food-Fragen an wen wendet und wohin weiter verlinkt wird. Er konnte zeigen - allerdings eben nur auf Web-Nutzungs-Ebene -, wie wenig Regierungsstellen und NGOs miteinander kommunizieren und wie viel, die Niederlande betreffend, anderswo verhandelt wird.

Christophe Bonneuil vom CNRS Paris bebilderte auf drei parallelen Beamer-Leinwänden die "Dynamik der Biosicherheits-Forschung" in Form von Clustern, Nähe/Distanz zwischen USA und Europa und "Sonogrammen" von Forschungsbegriffen, deren genauere Bedeutung sich nicht erschloss.

Mithilfe derselben Software (ReseauLu von Andrei Mogoutov) und einer Suche in APA und Google veranschaulichte Ulrike Felt (Wien) die relativen Positionen von Genfood-Akteuren in Österreich, heißen Themen ("Marille!") und Websites; ein Verfahren, das auch Veränderungen über Jahre anzeigen kann.

Zurzeit suchen Visualisierungsstrategen offenbar nach Wegen zwischen Power Point wie gehabt und Übersättigung aus dem Füllhorn der Computergrafik. Die Galerie an der Akademie der Wissenschaften will die Suche in den nächsten Jahren präzisieren.

Die Architektur stand selbst ganz im Zeichen des Netz-Themas. Spinnennetzartige Kabel über den Köpfen, Linien auf dem Boden umklammerten die Stellwände nach Art von Messekojen.

Eine kaum zu überbietende Vorgabe aber schwebte über der Installation: das riesige barocke Deckenfresko der Aula, das den Zeitgenossen eindrucksvoll und verständlich die göttliche Allmacht visualisiert hatte. (Michael Freund/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 2. 2005)

  • Je größer, desto häufiger: eine nahe liegende Methode Debatten zu visualisieren; zu sehen erst wieder bei der EU-Wissenschaftstagung im März in Brüssel.
    foto: galerie der forschung

    Je größer, desto häufiger: eine nahe liegende Methode Debatten zu visualisieren; zu sehen erst wieder bei der EU-Wissenschaftstagung im März in Brüssel.

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