Weltveränderung gefordert

1. Februar 2005, 12:41
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Fünftes Weltsozialforum in Porto Alegre geht mit Revolutionsaufruf zu Ende - Manifest mit zwölf Forderungen

Porto Alegre - Mit einem vielbejubelten Revolutionsaufruf vom Staatspräsidenten Venezuelas, Hugo Chavez, ist am Montag in Brasilien das 5. Weltsozialforum (WSF) zu Ende gegangen. "Wir werden diese Welt nur durch eine Revolution verändern. Lasst uns eine weltweite Verschwörung gegen den Neoliberalismus durchführen", sagte der umstrittene Ex-Putschist Chavez vor 15.000 Menschen im südbrasilianischen Porto Alegre. Das Forum wurde offiziell mit einem Marsch und Musikshows beendet. Auf einer Leinwand wurden 352 Vorschläge zur Verbesserung der Welt präsentiert, die von GlobalisierungskritikerInnen aus aller Welt geschrieben worden waren.

In seiner 90-minütigen Rede prangerte Chavez die USA als "negativste Kraft der Welt" an. Er bereite sein Volk militärisch auf einen US-Angriff vor. Wie vorher der ebenfalls vielumjubelte Literaturnobelpreisträger Jose Saramago (80) forderte Chavez vom WSF und den Linken konkrete Aktionen zur Veränderung der Welt. "Wir können nicht jahrelang nur debattieren", klagte er.

Manifest

Wichtigstes Ergebnis des WSF sind die zwölf Forderungen des "Manifests von Porto Alegre". In dem Papier wird die Verlegung des UNO-Hauptquartiers von New York auf die südliche Halbkugel gefordert. Die Vereinten Nationen müssten mit der Verlegung auf den Ungehorsam der USA antworten, die entgegen der internationalen Meinung militärisch im Irak interveniert hätten.

Das Treffen war am Mittwoch mit einem "Friedensmarsch" von 200.000 Menschen eröffnet worden. An der sechstägigen Konferenz, die sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz verstand, nahmen nach Angaben der OrganisatorInneen 150.000 Menschen teil, die brasilianische Regierung sprach von mindestens 100.000 TeilnehmerInnen. Zu den prominentesten RednerInnen der Konferenz gehörten der venezolanische Präsident Chavez und der ebenfalls linksgerichtete brasilianische Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva. Aus Österreich nahmen VertreterInnen des ÖGB sowie der Nichtregierungsorganisation ATTAC teil.

Im nächsten Jahr soll das WSF nach Beschluss des "Internationalen Rates" gleichzeitig in mehreren Städten auf mindestens drei Kontinenten (Afrika, Asien und Lateinamerika) "dezentralisiert" stattfinden. So soll noch mehr Menschen eine Teilnahme ermöglicht werden. (APA/dpa/AP)

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