Heimisches "Kulturland in Gefahr"

3. Februar 2005, 19:24
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Staatliche Kulturförderung muss fortbestehen, ansonsten drohe "weltweite kulturelle Monokultur" - USA will Liberalisierung der Kultur vorantreiben

Paris/Wien - Am Montag haben Experten aus 190 Staaten in Paris die entscheidende Verhandlungsrunde über das geplante UNESCO-Abkommen zum Schutz kultureller Vielfalt begonnen. Ziel ist es, einen Text auszuarbeiten, der kulturelle Güter und Dienstleistungen von normalen Handelsgütern abgrenzen soll. Damit soll verhindert werden, dass die Finanzierung des öffentlich- rechtlichen Rundfunks oder Subventionen für Theater, Opernhäuser, Bibliotheken, Museen und die Filmförderung in Frage gestellt werden. Das Ergebnis der bis zum 12. Februar dauernden Gespräche soll im Oktober von der Generalversammlung der UNESCO ratifiziert werden.

Liberalisierung der Kultur durch Amerikaner angestrebt

Während die Amerikaner die Liberalisierung der Kultur vorantreiben wollen, gibt es in Europa starke Widerstände dagegen. In einer Aussendung tritt die Österreichische UNESCO-Kommission für die Erhaltung der staatlichen Kulturförderung ein und sieht das "Kulturland Österreich in Gefahr". Beim Wegfallen eigener staatlicher Kulturpolitik wird "eine weltweite kulturelle Monokultur" befürchtet. Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission: "Jeder Staat hat die Aufgabe, sein kulturelles Erbe zu erhalten und Kunst- und Kulturschaffende ebenso zu fördern wie die nötige Infrastruktur. Dies gilt auch für regionale Kultur und Kultur von Minderheiten, denn nur aus dieser breiten Streuung resultiert Vielfalt."

Kunst ist mehr als Ware

Kultur sei weit mehr als eine Ware, und unter reinen Wettbewerbsbedingungen am globalen, liberalisierten Markt "müssten die österreichischen Bundestheater genauso ums Überleben kämpfen wie die österreichische Nationalbibliothek oder auch der ORF. Von Projekten wie der Viennale oder anderen regionalen Festivals ganz zu schweigen. Es wird sie und viele andere kulturelle Produkte, die wichtig für die Identität der Bevölkerung sind, nicht mehr geben", so Eschig, "Österreich versteht sich immer als Kulturnation, hat aber seine Stimme in der internationalen Debatte bisher nicht sehr laut erhoben. Ich hoffe, die österreichische Politik verschläft diese gefährliche Entwicklung nicht."

Auch die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) warnt in diesem Zusammenhang vor einem weiteren Ausverkauf der Kulturen. "Österreichisches Schaffen wäre dann rasch auf den musealen und folkloristischen Bereich beschränkt", so KMSfB-Vorsitzender Peter Paul Skrepek in einer Aussendung. (APA)

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